Metagame - Eine kleine Reise ins Drachental

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Es war in einer dieser scheinbar unauffälligen Sommertage auf Kaer Iwhaell. Die Hexer waren, wie so oft unterwegs, entweder um Aufträge zu erfüllen oder die Lehrlinge in die Spur zu schicken. Auf der Burg war dennoch regsames Treiben. Der Dachstuhl musste nach der Belagerung erneuert werden und auch sonst fielen überall Kleinigkeiten an, die gemacht werden mussten. Dennoch war Nella irgendwie unruhig, als wüsste sie, dass irgendwas bevorsteht. Ob das Ereignis positiv oder negativ sein würde, wusste sie noch nicht. Daher beschloss sie sich vor dem Marstall eine Decke hin zu legen, um darauf zu meditieren und ab zu warten was kommt. Als plötzlich zu ihr in ihrem Geist eine sehr bekannte Stimme sprach: „Es wird Zeit, dass du die Heimat meines Sohnes kennen lernst. Ich habe ihn losgeschickt um dich hier ab zu holen. Bitte heiße ihn herzlich Willkommen.“ „Ich wollte schon immer wissen, wo Lennox herkommt. Ich habe ja schon einige Sachen von ihm erzählt bekommen. Ich bin bereit dafür!“, antwortete Nella der Stimme.

Im Burghof vor dem Marstall flammte eine manneshohe Flamme auf und daraus kam Lennox geschritten. Lennox, gekleidet in seinem leichten schwarz-roten Sommergewand und mit dem Stab seines Vaters in der Hand, tratt mit einer eleganten Verbeugung vor Nella und sagte: „ Hallo Meisterin. Schön, dass ihr mich begleiten werdet.“

„Die Zeit ist gekommen. Dann lass mich kurz noch meine Reisetasche mitnehmen und dann in deine Heimat aufbrechen ,mein Lehrling. Ich freue mich schon darauf, dein Land und Volk kennen zu lernen. Vielleicht kann ich auch mehr über eure Geschichte und Gottheit lernen und meine und deine Verbindung besser verstehen.“, sagte Nella zu ihrem Lehrling Lennox und ging in den Marstall der Burg Kear Iwhaell. Nach kurzer Zeit kam sie mit einem kleinen Beutel umgehängt und ihrem Magier Stab in der Hand zurück. Sie trug ihre Reisekleidung, bestehend aus einer roten Robe, einem Überwurf mit einer weiten Kapuze und ihrer weißen Gugel mit Fellbesatz am Rand. „So dann wollen wir mal. Ich vermute du leitest mir den Weg?“ Mit diesen Worten blickte sie auf Lennox und wartete gespannt auf seine Antwort. „Wobei mir noch einfällt... gibt es Bräuche oder Sitten, welche ich beachten sollte, damit ich niemanden unbeabsichtigt nicht die Ehre gebe, welche demjenigen gebührt?“

„Ja, du kannst mein Volk und Land kennen lernen und auch unsere Gottheit. Nein, es gibt nichts worauf du achten musst bezüglich der Sitten und Bräuche. Sei einfach du selbst, so wie immer. Sei freundlich und respektvoll, dann ist alles gut. Nun gut, dann wollen wir einmal aufbrechen. Du hast dich von den Hexern verabschiedet?“, fragte Lennox. „Die Hexer werden es wohl auch ein paar Tage ohne mich auf der Burg schaffen.“, sagte Nella. Die zwei laufen Richtung Burgtor und gehen ins Dorf hinunter. „Nun, den ganzen Weg zu Fuß zu gehen ist mir zu doof. Wir würden zu lange brauchen. Ich habe da etwas vorbereitet.“, meinte Lennox. Nach ein paar Minuten laufen, erreichten die beiden den Friedhof des Dorfes. Auf dem freien Feld

davor, lag ein großes graues Tier, mit vier säulenartigen Beinen und einer Art Unterstand auf dem Rücken, welcher mit vielen Gürten um den Bauch des Tieres geschnallt war. „Das ist Bo. Er ist ein Elefant. Auf seinem Rücken ist das Reisen deutlich angenehmer.“, sagte Lennox mit einem Lachen im Gesicht. Vor den beiden lag ein großer, prachtvoller Elefantenbulle mit großen Stoßzähnen.

Mit großen Augen schaute sich Nella dieses prachtvolle Tier an. „So ein großes Pferd, oder was auch immer er ist, habe ich noch nie gesehen!“, staunte sie nicht schlecht. „Sind diese Tiere bei euch weit verbreitet? In meiner alten Heimat gab es ähnlich große graue Tiere. Diese lebten aber im Wasser und waren nur selten zu sehen... und diese besaßen auch längst nicht so lange Zähne.“ Mit diesen Worten begutachtete sie das Tier genauer und fragte sich wie man, als nicht magisch begabtes Wesen, auf diesen Unterstand hinauf kommen sollte.

„Wie gut, dass ich nur das leichte Gepäck dabei habe und nicht alle meine Magier Komponenten mit schleppe. Wobei dieses Tier bestimmt einiges tragen kann.“, mutmaßte sie und blickte gespannt auf Lennox. „Und wie lange werden wir reisen? Ich habe eigentlich keine genaue Ahnung wohin unsere Reise führen wird.“

Kurzerhand nahm Nella ihren Fächer in die Hand, blickte zu Boden und erinnerte sich an eine Geschichte, welche sie einst mit ihrem Lehrmeister bestritten hatte und fing an zu erzählen: “Einmal mussten wir in meiner Lehrlingszeit, in einem Gewölbe in einem Berg, eine breite Spalte überwinden. Wobei es auch einen schmalen Steg zum darüber balancieren gab. Sartarius, der nicht der geschickteste im balancieren war, hatte ich einfach mit dem Rückstoß eines Feuerballs über den Spalt katapultiert. Das gab damals ein großes Gelächter von den umstehenden Weggefährten. Dabei hat der arme Swalin fast den Feuerball abbekommen. Die Landung von Sartarius war auch nicht sehr elegant. Er plumpste einfach mit dem Hintern voran auf den Boden.“ sie musste etwas schmunzeln als sie an die Anekdote dachte.

Danach schloss sie kurz die Augen, konzentrierte sich, fokussierte anschließend den Unterstand auf dem Rücken an und sprach ein paar kurze Worte. Damit fegte sie mit einem gezielten Windzauber zum Boden in Richtung des Unterstandes und schwang sich dabei, halbwegs graziös, auf den Sitz. „So dann wollen wir mal!“, grinste sie und freute sich auf die kommende Reise.

Lennox schaute Nella skeptisch an. „Nun, Magie zu verwenden um auf Bo zu kommen ist eine Möglichkeit. Aber es geht auch ohne einen Zauber.“, sagte er. Lennox ging auf Bo zu griff ihn oben an seinem großen Ohr, stieg mit einem Fuß auf sein Bein und schwang sich herauf zu Nella. Er legte seinen Stabe ab (der Unterstand/Sitz ist größer wie er aussieht) und griff nach einem kleineren Stab mit einem Hacken daran. „Keine Sorge, ich tue ihm nicht weh damit. Aber ich brauche diesen Stab, um ihn zu lenken. Das ist bei einem Elefanten etwas schwerer, als bei einem Pferd.“, erklärte Lennox mit einem Lächeln. Mit sanftem tippen auf den Hinterkopf, erhob sich Bo. Dies war etwas wackelig. Aber sobald Bo stand lief er los, was eigentlich recht gemütlich war. „Die Geschichte, die ihr eben angeschnitten habt, hörte sich interessant an. Ich hätte das zu gern gesehen, denn ich kann Sartarius nicht richtig einschätzen. Mal ist er sehr ernst und dann kann er wieder sehr lustig sein. Naja, ich werde ihn hoffentlich noch besser kennen lernen.“, sprach Lennox.

„Um zu deiner Frage zurück zu kommen.“, sagte Lennox und begann zu erzählen: „Ja bei mir Zuhause sind Elefanten weit verbreitet. Sie werden zur Arbeit im Dschungel eingesetzt. Sie haben sehr viel Kraft und können z. B. Bäume aus dem Dschungel ziehen, wofür man normalerweise zwei Pferde braucht. Ich lebe in einem Dschungel. Dort gibt es viele Tiere. Nicht nur Schlangen oder Harpyien, sondern auch Nebelparder, Tiger, viele Frösche, Spinnen und viele mehr.“

Während Lennox erzählte, lenkte er den Elefanten mit dem Stock und manchmal auch mit dem Hacken, damit Bo auch das tat, was Lennox wollte. „Achso, ja Bo hätte auch mehr getragen als nur leichtes Gepäck.“, sagte Lennox lachend. „Wir werden eine Weile unterwegs sein, aber wir haben eine sichere Reise. Solltest du Hunger oder Durst bekommen, haben wir hinter uns, alles in den Decken. Oh warte...“, meinte Lennox „... ich habe vergessen Bo mit dir bekannt zu machen, aber das haben wir gleich.“ Lennox griff hinter sich und kramte einen Apfel hervor und gab ihn Nella. „Für Bo“ Dann klopfte er Bo zweimal auf den Kopf und dieser streckte seinen Rüssel über den Kopf nach hinten.

  Nella nahm den Apfel entgegen und streckte Bo diesen entgegen. „Da mein Guter.“, sagte sie und Bo nahm den Apfel entgegen und fraß diesen genüsslich. „In letzter Zeit scheine ich eine Anziehung zu Tieren entwickelt zu haben. Apropos, Nikita hat sich die Tage ganz schön frech verhalten. Die Gute, ist einer Freundin von mir, welche auch eine Zwergin ist, unter die Rüstung geschlichen während sie die Rüstung trug. Da musste ich die Kleine erst einmal heraus holen und in Sicherheit bringen. Zudem ist mir auch Nachwuchs zugelaufen.“ Nella fing an in ihrer Tasche zu kramen und pflückte einen kleinen Igel heraus. „Das ist die kleine Fritzi. Sie ist mir damals in meinen Ärmel gekrochen.“ und überreichte Lennox den kleinen Igel. „Ich muss sagen, mit einem Elefanten zu reisen, da könnte ich mich dran gewöhnen. Ist doch deutlich gemütlicher als auf einem Pferd und bestimmt wird man weniger auf Reisen belästigt.“, stellte Nella fest. Sie drehte sich nach hinten zum Sitz und legte Ihre Sachen ab: „Da könnte man auch mit größerem Gepäck reisen und muss nicht alles immer auf seinen Schultern tragen. Wobei, ich bin es ja seit Jahren gewohnt alles selbst zu tragen.“ Gemütlich kam sie wieder zu Lennox nach „vorne“ zu Bo seinen Kopf. „Ich frage mich nur was Sebastian zum Elefanten sagen würde. Ob er ihm nicht zu viel seines geliebten Waldes zertrampelt?“

Lennox nahm die kleine Igelin entgegen und schaute sie interessiert an. „Ein schöner Igel ist deine Fritzi. Wir sollten nur bei mit zu Hause aufpassen, wegen der Raubtiere. Natürlich will ich verhindern, dass ihr etwas passiert, da nicht alle Tiere zahm bei uns sind.“, sagte Lennox und gab Fritzi zurück an Nella. „Was Nikita angeht. Sie ist noch sehr jung und tut einfach irgendwelche Dinge die gefährlich werden können.“, meinte Lennox ernst.

Mittlerweile ist es schon dunkel und Nacht geworden. Lennox tippte Bo an, so dass er stehen blieb und sich hinlegte. Beide stiegen vom Sitz ab. „Hier werden wir übernachten. Morgen können wir weiter reisen.“, sagte Lennox und begann Bo ab zu laden. Er legte einige Decken und Kissen aus und schützte das Lager mit einer Umrandung aus einigen Ästen. „Nella, könntest du etwas Holz sammeln, während ich hier eine Feuerstelle vorbereite?“, fragte Lennox. Nella antwortete: „Klar, das kann ich machen.“ und ging los. Während dessen baute Lennox aus ein paar Steinen eine Feuerstelle und stellte zwei kleine Hocker dazu. Auf Rinde Stücken legte er Bananen, Mispeln, Papaya´s und andere Früchte aus. Als Nella zurück kam ,entzündete sie ein Feuer und Lennox erklärte ihr was das für Früchte sind „Einen guten Appetit wünsche ich euch, Meisterin.“, plauderte Lennox.

„Solche Früchte habe ich schon einmal gesehen, damals als ich das erste Mal hier auf Kaer Iwhaell war. Ludwig Stab hatte damals ähnliche Früchte organisiert und uns verkosten lassen.“ Mit diesen Worten nahm Nella ein paar Stücken der Früchte und genoss diese zu essen. „Solche Früchte wachsen doch eher in wärmeren Gebieten oder liege ich da falsch? Ich bin sowieso gespannt wo du mich hinführst.“ “Um auf deine Frage zu antworten. Ja solche Früchte wachsen in wärmeren Gebieten.“ ,sagte Lennox.

Und so lief der Abend des ersten Reisetages in Ruhe mit weiteren einfachen Gesprächen zwischen Nella und Lennox aus. Als es Zeit war sich nieder zu legen, brannte das Feuer immer noch mit schwachem züngeln. Dies blieb auch die ganze Nacht so ohne weiteres Feuerholz nach zu legen. Dies war ein kleiner Zauber von Nella, der auf Reisen wilde Tiere abschrecken soll. Diese Vorsichtsmaßnahme war gegenüber Tieren recht praktisch. Doch Menschen, vor allem welche die unlautere Absichten besaßen, könnten auf das Feuer aufmerksam werden. Die Nacht verlief aber ruhig, da Nella auch wusste, dass Sebastian vermutlich seine Augen und Ohren im ganzen Wald hatte und Eindringlinge schnell verscheuchen würde. Am nächsten Morgen wachte Nella mit dem Gefühl auf ,dass der Wald etwas zu ruhig war. „Dies könnte aber auch an der Anwesenheit des besonderen Begleiters, dem „kleinen“ Elefanten liegen.“, dachte sie sich und streichelte Bo über den Kopf. Als Lennox am nächsten Morgen aufwachte, war Nella bereits wach. Sie frühstückten zusammen und unterhielten sich über dies und jenes. Anschließend kümmerte sich Lennox um Bo. Sie packten alles zusammen um weiter zu reisen. Nella und Lennox stiegen wieder auf den Rücken von Bo und Lennox bedeutete ihm aufzustehen. So ging die Reise nun weiter. „Du wirst noch Augen machen, wenn wir angekommen sind. Bei mir Zuhause gibt es viele Pflanzen und Tiere die du bestimmt noch nie gesehen hast und ich werde dir alles erklären was ich darüber weis.“, meinte Lennox.

Die folgenden drei Tage verliefen ähnlich ruhig. Ab und zu begegneten die drei ein paar Wanderern und auch mal ein paar Kriegern. Allerdings drehten alle sofort wieder um als sie den großen Elefanten sahen. Lennox amüsierte sich ein wenig darüber, denn für ihn war es vollkommen normal auf einem Elefanten zu reiten.

Am Morgen des fünften Tages sagte Lennox: „So jetzt wollen wir die Reise mal etwas beschleunigen, sonst sind wir noch vier Monde unterwegs.“ „Wir werden hier ein Tor öffnen.“ Mit diesen Worten holte Lennox eine Kiste hervor. Er öffnete sie und zum Vorschein kamen Faust große Steine in den verschiedensten Farben. „Wir müssen Sie nur in der richtigen Reihenfolge auslegen.“, fügte Lennox hinzu.

Als Nella die Steine erblickte, kramte sie erst mal in ihrer Tasche nach ein paar Handschuhen, welche sie dann anzog. Dies war eine alte Gewohnheit wenn es um Artefakte ging. „Sehr interessant. Mit diesen Steinen bist du also hier her gekommen, wenn deine Heimat so weit weg ist, nehme ich mal an.“, sprach Nella und nahm gleichzeitig einen dieser Steine in die Hand, um ein Gefühl für die Haptik und Gewicht der Steine zu bekommen. Auch setzte sie kurz ihre volle Konzentration auf einen der Steine, um einen ersten Eindruck über die magische Struktur des Steines zu erlangen. „Wenn man ein Portal zu deiner Heimat nur mittels des Auslegens in der richtigen Reihenfolge öffnet, sind das mächtige Artefakte. Ist das auch für nicht Magier möglich? Und warum sind wir dann erst ein paar Tage mit Bo gereist, wenn wir hätten auch gleich ein Portal öffnen können?“, merkte Nella an. Mit diesen Worten schaute sie Lennox aufmerksam an, um seine nächsten Schritte für die Vorbereitung des Portals zu analysieren.

Lennox lachte und sagte: „Weshalb wir mit Bo erst ein paar Tage geritten sind ist leicht zu erklären. Das Tor zu öffnen und zu benutzen ist nicht gerade leise und unauffällig. Zudem nutzen wir dieses Tor kaum. Ich habe sie mir von Großmeister Arag ausgeliehen. Er hat schon meinen Vater mit Rat und Tat zur Seite gestanden.“, erklärte Lennox. Weiter erläuterte er: „Wie dir mit Sicherheit schon aufgefallen ist, ist die magische Struktur die selbe wie ich sie durch den Drachen verwende. Und ja, es ist möglich die Steine als Nichtmagier zu verwenden. Sogar der dümmste Stalljunge kann sie nutzen, wenn er die richtige Reihenfolge kennt und den Schlüsselstein hat. Denn ohne diesen geht nichts.“

„Nun wollen wir anfangen. Zuerst stellen wir Bo hier her und ziehen einen Kreis um ihn. Dann legen wir die Steine aus.“, sprach Lennox und so begannen Nella und Lennox das Tor vor zu bereiten. „Den roten Stein hinter Bo, den grünen vor seinen Kopf, den blauen Stein nicht links sondern rechts.“, delegierte Lennox. Es verging einige Zeit und viele Steine wurden ausgelegt und auch wieder umgelegt, bis alles stimmte. Als alle Steine ihrem rechten Platz zugeordnet waren, gab Lennox die nächsten Anweisungen: „Gut, jetzt kann es gleich los gehen. Wenn du soweit bist Nella, nimm deinen Magier Stab in die Hand und konzentriere dich.“ Nella antwortete Lennox: „Gut ich werde mich einen kurzen Moment sammeln, dann bin ich bereit.“ Lennox ging zur Mitte des Kreises und streichelte Bo dabei. Dann nahm er seinen Stab von dessen Rücken und wartete darauf, dass Nella soweit war. Als Nella ihn ansah, legte er den Schlüsselstein auf den Boden und klopfte mit seinem Stab drei Mal darauf. Alles um die Magier und den Elefanten herum begann zu surren und zischen. Dann verschwamm alles etwas und mit einem Knall standen die drei plötzlich mitten im Dschungel. „Geht es dir gut, Nella?“, fragte Lennox. „Ja mir geht es gut und es ist auch noch alles dran, nachdem wir durch das Tor gegangen sind. Ich muss nur zugeben, dass ich etwas überwältigt von dem Anblick des Dschungels bin.“, sagte Nella. Lennox lachte: „ Ja das glaube ich dir. Willkommen in meiner Heimat dem Drachental!“ „Nella, du bist zu Gast in meinem Dorf. Du kannst dich frei bewegen und umschauen, sowie mit Leuten reden oder was auch immer du möchtest. Nur bitte gehe niemals alleine in den Dschungel!“, meinte Lennox etwas ernster. Nella schaute Lennox nachdenklich an und antwortete dann: „Ok. Ich werde auf dich hören. Du bist hier Zuhause.“ So machten sich die beiden auf den Weg durch den Dschungel in das Dorf von Lennox. Auf dem Weg dorthin konnte Nella die Pflanzen- und Tierwelt bewundern. Es gab Schlangen, Affen und viele Vögel zu sehen. Lennox machte Nella auf einen großen Vogel in einem Baum aufmerksam: „Schau dort oben. Das ist eine Harpyie. Von diesem Vogel haben deine Freunde ein Ei gefunden.“ Nella machte große Augen und meinte: „Oh so eine Harpyie ist ja wirklich groß. Das könnte interessant werden auf Kaer Iwhaell.“ Nach einiger Zeit erreichten die drei das Dorf. Jeder der Anwesenden machte eine leichte Verbeugung in Richtung Lennox und hießen ihn mit „Schön, dass ihr wohlbehalten zurück gekommen seid, mein Heda.“ herzlich Willkommen. Lennox zeigte Nella das Dorf und stellte sie einigen Personen vor. Anschließend zeigte er ihr das Zimmer in dem sie in nächster Zeit schlafen würde. Es wurde ein Bett hergerichtet und alles war aufwendig dekoriert. „So das ist dein Zimmer. Ich hoffe es ist ausreichend für dich. Ich werde dich jetzt ein paar Stunden alleine lassen. Später hole ich dich dann wieder zum Essen ab. Achso, heute Abend ist ein Tanzfest. Man wird dir ein Gewand reichen. Ich hoffe du wirst es tragen.“, freute sich Lennox. „Ja. Das Zimmer ist mehr als ausreichend für mich. Ich werde mir das Gewand ansehen und es dann eventuell anziehen.“, gab Nella lächelnd zur Antwort. Lennox lächelte und ging seinen Aufgaben nach. Nella nutzte die Zeit, packte ihre Sachen aus und richtete sich in ihrem Zimmer ein. Danach ging sie durch das Dorf und unterhielt sich hier und da mit Einwohnern. Alle ihre Fragen wurden beantwortet und so konnte sie mehr über das Tal und die Gottheit der Menschen hier erfahren. Nach einigen Stunden kam eine Frau auf sie zu und bat Nella mit zu kommen. Der Heda hätte sie angewiesen, seinen Gast passend für das Tanzfest zu kleiden. So bekam sie ein wunderschönes sommerliches Gewand aus leichtem Stoff mit vielen Verzierungen. Bevor Nella sich richtig bewundern konnte, stand Lennox in der Tür und sagte: „Das Kleid steht dir wirklich gut.“ „Danke sehr. Ich habe es angezogen, da ich dich oder euch nicht beleidigen wollte.“, sagte Nella. „Nun denn. Lass uns gehen.“ Auf einer großen freien Fläche war eine große Tafel mit reichlich Essen und Trinken aufgebaut. Am Kopf der Tafel standen zwei Stühle für Nella und Lennox. Es wurde Musik gespielt und getanzt. Nach dem Essen gingen auch Lennox und Nella zum Tanzen. Alle hatten Spaß und Freude. So verging der Abend wie im Flug und bis alle in den Betten waren, war es schon mitten in der Nacht.

Als Nella am nächsten Morgen aufwachte gab es ein Problem und zwar, dass sie nicht aufstehen konnte. Eine große Katze war in das Zimmer eingedrungen. Nella rief: „ Hallo kann mich jemand hören? Lennox hier ist eine Großkatze in meinem Zimmer.“ Einen Augenblick später war Lennox da. Er musste schmunzeln und sagte: „Das ist Bongani. Er ist ein Nebelparder. Du kannst ihn streicheln, wenn du magst. Er ist zahm.“ Etwas zögernd stand Nella auf und ging ganz langsam auf das Tier zu. Die Katze schaute sie an und schnupperte an ihr. „Knie dich hin dann kannst du ihn am Kopf streicheln.“, sagte Lennox. Nella kniete sich hin und begann Bongani zu streicheln. Dieser schien das ganz sichtlich zu genießen. „Das ist interessant. Sein Fell ist viel weicher als ich es erwartet hätte.“, sagte Nella.

Nach diesem überraschenden Erlebnis am Morgen frühstückten sie gemeinsam und brachen anschließend auf. Lennox wollte Nella vieles zeigen. Er zeigte ihr die Falknerei wo auch Harpyien aufgezogen wurden. Dann den großen Tempel im Dschungel. Auf dem Weg dorthin zeigte sich eine prächtige Pflanzenwelt. Lennox erklärte Nella alles was er über die verschiedenen Pflanzen wusste. Es gab auch einige Tiere zu sehen. Beispielsweise Affen. Als die beiden über einen kleinen Berg gingen, begegneten sie einer Gruppe Gorillas. Lennox blieb sofort stehen und sagte: „ Wir müssen jetzt erst einmal ab warten was sie tun. Wenn sie fressen, können wir in einem passenden Abstand vorbei gehen. Außerdem müssen wir schauen was das große Männchen macht und dürfen ihn nicht verärgern. Er ist der Chef der Gruppe. Man nennt ihn wegen den grauen Haaren am Rücken auch Silberrücken.“

So setzten sich Lennox und Nella hin und beobachteten die Gruppe. Ein paar junge Gorillas tollten herum und kamen auch etwas näher, um dann sofort wieder weg zu laufen. Die anderen Gorillas saßen nur da und waren am fressen. Dann kam plötzlich ein Gorilla auf Nella zu und legte einen Arm auf ihre Schulter. Nella wurde bleich im Gesicht und keiner der beiden traute sich etwas zu sagen. Nach wenigen Minuten ging der Gorilla wieder. „Jetzt ist der perfekte Moment um weiter zu gehen.“, flüsterte Lennox. Nella nickte nur. Sie war immer noch etwas blass im Gesicht.

Am Tempel angekommen fragte Nella: „Was war das? Wieso hat der Gorilla das gemacht?“ „Das kann ich dir nicht sagen. Ich bin selbst erstaunt. So viel hab ich mit den Gorillas nicht zu tun. Normal sind sie sehr scheu.“, meinte Lennox. So gingen die beiden weiter Richtung Tempel.

Der Tempel ist ein sehr großes Gebäude. Wunderbar mit Malereien und Schnitzereien verziert. Darauf sind viele Drachen, Skulpturen und vieles mehr drapiert. Sie durchschritten den Tempel so, dass sich Nella alles in Ruhe anschauen konnte. Im Hauptteil trafen sie auf Großmeister Arag. Lennox machte die beiden miteinander bekannt und sie unterhielten sich über vieles. Unter anderem über die Kindheit von Lennox und die Geschichte seiner Familie. Großmeister Arag erzählte Nella auch die Legende über den Gründer des Dorfes und dem Drachen. Während sich die drei unterhielten verging die Zeit wie im Flug. Es wurde schon langsam dunkel als Nella und Lennox sich auf den Weg zurück ins Dorf machten. Dort angekommen ließen sie den Tag ausklingen und gingen anschließend ins Bett.

Am nächsten Tag wollte Lennox Nella noch zwei Dinge zeigen. Am Morgen machten sich die beiden bereits früh auf den Weg zum Quell des Lebens durch den Dschungel. Dort angekommen bot sich ein atemberaubender Anblick eines Wasserfalls der in einen kleinen See fiel und drum herum wuchsen hunderte verschiedene Pflanzen- und Blumenarten. Nella schaute sich alles bewundernd an. Es brauchte keine Worte, um zu verstehen, dass es ihr hier gefiel. Lennox ging los und pflückte ein paar Früchte. Dann kam er zurück und beide setzten sich hin und genossen den Anblick. Einige Stunden später sagte Lennox: „Lass uns wieder zurück gehen. Ich möchte mit dir noch an einen anderen Ort um ihn dir zu zeigen.“ „Gut ok. Lass uns los gehen“, meinte Nella. Nach einiger Zeit erreichten die beiden einen Ort, der mit einem kleinen Zaun eingefasst war. Der Friedhof des Dorfes. Lennox öffnete die Tür und ließ Nella den Vortritt. Sie ging hinein und wartete auf Lennox. Er führte sie an ein großes Grab mit einem aufwendig geschlagenen Grabstein. „Ist dass das Grab deines Vaters?“, fragte Nella. Lennox nickte und schwieg. Als Nella zu ihm schaute, sah sie, dass ihm Tränen die Wangen hinab liefen. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter. Lennox drehte sich zu ihr um und sagte: „ Das ist das Grab meines Vaters, seines Vaters bis hin zu dem Gründer des Dorfes. Danke dass du mit mir hier her gekommen bist.“ Nella antwortete: „Es ist mir eine Ehre hier an diesem Grab stehen zu dürfen.“ Sie blieben noch einen Moment stehen. Dann machten sie sich wieder auf den Weg zurück ins Dorf. Dort angekommen lud Lennox einige Leute zu einem Festmahl ein.   Die nächsten Tage und Wochen erkundete Nella zusammen mit Lennox und anderen Leuten aus dem Dorf den Dschungel. Das war dann der Fall, wenn Lennox seinen Verpflichtungen als Heda nachgehen musste. Er war natürlich für alle Probleme und Anliegen zuständig.

So verbrachten sie eine schöne Zeit zusammen im Drachental, bis sie sich auf ihre nächste Reise begaben oder nach Kaer Iwhaell zurück kehrten.