Metagame - Ein befellter Bote

„Schon wieder Post für Mei? Sind wir ne Hexerschule oder die Poststelle von Solonia? Niemand kann so viele Briefe bekommen und sie auch noch lesen. Sie bekommt Briefe und merkwürdig riechende Päckchen und ist daraufhin wieder irgendwo unterwegs. Wenn sie nicht meine Tochter wäre und ich ihr nicht vertrauen würde, wäre ich wahrlich ziemlich irritiert und würde hinterher schnüffeln.“ „Ja und zum Glück bist du ein so toller Ziehvater, dass du Mei so sehr vertraust und dies nie in Erwägung ziehen würdest!“

Nella stand in Valerians Schreibzimmer und hielt einen Brief in der Hand. Einer von vielen in letzter Zeit. Dieser hier roch etwas nach gebratenem Speck. Mal eine Abwechslung, dachte sich Valerian. „Ist Mei nicht im Turm?“, kam es etwas pampiger von Valerian zurück wie er es eigentlich beabsichtigt hatte. Nella schüttelte nur den Kopf und legte den Brief auf Valerians großen Holzschreibtisch. „Ich bin direkt zu dir. Der Bote drückte mir den Brief in die Hand und war schon wieder weg. So viel ich weiß, ist sie in ihrem Zimmer und packt.“, antwortete die in rot und weiß gekleidete Magierin mit ihren langen blonden Haaren, welche sie seitlich mit einer Strähne nach hinten gebunden hatte. „Ich wollte sie nicht stören. Bist du bitte so gut und gibst ihn ihr, danke!“ Ohne auf eine Antwort Valerians wartend, drehte sich Nella schon um und war im Begriff zu gehen. Die Stimmung auf Kaer Iwhaell war seit den Ereignissen um Wim und Isador auf allen Seiten ziemlich angespannt, da sie Wim zwar von ihm hatten lösen aber ihn nicht gänzlich vernichten konnten. Wenigstens ging es Wim den Umständen entsprechend gut und der Hexermeister hoffte, so etwas bei einem seiner Familienmitglieder nie mehr durchmachen zu müssen. Er hatte erst mal die Schnauze voll von diversen Bessenheiten oder sonstigen seelischen Übernahmen, welche nicht auf Gegenseitigkeit beruhten. Erst jetzt realisierte Valerian was Nella soeben sagte. Bevor diese durch die Tür in den langen Flur verschwand, sprach er sie etwas verwirrt an. „Wie? Was? Häh ... Mei packt. Wo geht sie denn jetzt schon wieder hin? Sie war doch erst vor kurzem ewig auf Skellige unterwegs.“ „Wenn sie dir es nicht sagt, warum sollte sie es ausgerechnet mir erzählen?“, grinste Nella frech und war schon halb aus dem Zimmer.

In dem Moment stand plötzlich Mei hinter ihr und hob ihre rechte Augenbraue. „Du kannst mich jetzt auch persönlich fragen, Vater.“, während sie das sagte drückte sie sich an Nella vorbei in die Schreibstube und schaute den verdatterten Valerian an. „Nicht das ich es dir erzählen würde aber die Zeit wird kommen und du wirst es erfahren, keine Sorge. Du weißt ich würde nichts tun ohne es vorher ordentlich geprüft zu haben und ich mir nicht hundert Prozent sicher wäre und außerdem ist da auch Zauberinnen Kram dabei, den du eh nicht verstehen würdest.“, man hörte von draußen ein leises und dumpfes Kichern. „Nur leider bedarf es meiner Anwesenheit bei diesem Problem. Ich habe meine Reise ja wegen Wim unterbrochen und nun setze ich diese fort. Damit ich das endlich hinter mir habe und längere Zeit hier bei euch bleiben kann. Ich reise ja schließlich nicht zum Vergnügen, mein lieber Vater.“ Mit jedem Wort schritt Mei langsam auf Valerians Schreibtisch zu und stützte sich nun auf diesem ab. Dabei sah sie ihn mit ihren zweifarbigen Augen eindringlich an um ihm zu signalisieren, dass sie die Wahrheit sprach und weiß was sie tat.

„Du weißt, du kannst mir vertrauen Valerian. Aber es gibt eben Dinge, die ich dir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erzählen kann oder nicht sollte. Und falls es dich beruhigt, ich bin auf Ard Skellig unterwegs, gegeben falls mache ich noch einen kleinen Abstecher nach Faroe, wenn es die Umstände zulassen.“ Das Mei schon weitere Abstecher nach Oxenfurt, Novigrad, Kerack und in Solonia liegend die Auen besucht hatte, erwähnte sie nicht und dies sollte ihr Vater auch erst einmal nicht wissen. Zumal sie sich in große Gefahr begab, wenn sie nach Novigrad und Oxenfurt reiste. Dies allerdings nur unter größten Illusionszaubern die sie beherrschte. Denn erwischte man sie dort, würde sie dem Scheiterhaufen nicht noch einmal entgehen, so war sie sich sicher. Aber der Hintergedanke und aus welchen Gründen sie dies tat, waren gute Gründe und wegen IHR würde sie diese Gefahr auch zukünftig eingehen. Auch wenn Außenstehende Mei’s Beweggründe nicht nachvollziehen konnten, war die Zauberin es IHR schuldig, auf irgendeine banale Art und Weise. Wirklich erklären konnte sie es sich auch nicht, warum sie diese Gefühle für die kleine Schwarzhaarige hegte. Und was es genau für Gefühle waren. Sie musste helfen, egal wie. So war doch ihre Meinung immer gewesen, wenn sie die Fähigkeit und das Können besaß jemandem zu helfen, den sie wertschätzte und egal auf welche Art und Weise liebte, so tat sie dies auch. Ohne einen Vorteil daraus zu ziehen, wie es oft viele über Zauberinnen dachten.

Nach einigen Sekunden der Stille, durchriss die etwas raue Stimme Valerians ihre Gedanken. „… natürlich hast du Recht, aber … naja. Ich vertraue dir, Töchterlein. Hier ist übrigens, wer hätte es gedacht, ein Brief für dich. Gerade frisch eingetroffen aus …“, mit seinen Katzenaugen untersuchte er den Brief in seiner linken Hand. „… aus … keine Ahnung steht nix drauf. Hier!“ Der Hexer wedelte mit dem Brief vor Mei’s Nase herum und auch ihr stieg der Geruch von gebratenem Speck in die Nase. Begleitet von anderen Gerüchen, Eierkuchen und Hund, wenn sie sich nicht täuschte.
„Hmm riecht gut … oh da fällt mir ein ich muss Mila noch vor der Abreise füttern.“ „Wann holt Lennox die eigentlich mal wieder ab? Sie ist doch sicherlich schon wieder gesund oder? Ich würde mich mal wieder freuen ein leckeres, großen Stück Fleisch essen zu können, das wandert ja immer direkt zu Mila.“, raunzte Valerian etwas mürrisch und tat so als würde er in einem Dokument etwas lesen um dem strafenden Blick Mei’s zu entgehen.

„Kann sich nur noch um Tage handeln, ich musste das Bein vor ein paar Wochen nochmals operieren, da sich die Wunde entzündet hatte. Mila schleckte daran obwohl ich es ihr verboten habe. Nicht jedes Tier hört eben auf mich.“, sagte Mei lachend. „Also … ich verabschiede mich und passt auf euch auf, wenn etwas ist, wird Resta mich finden oder ein Spitzel von Heskor oder Vertigo. Ich liebe dich Vater. Mach’s gut!“. Sie ging um den großen Tisch herum und umarmte ihren Ziehvater länger wie sie es sonst tat. Mit dem Brief in der Hand verließ sie den Raum und begab sich in die Küche um das Futter für Mila zu holen. Die schwarze Pantherdame befand sich im Freilaufgehege neben ihrem Turm auf der kleinen Rasenfläche in den Ruinen und wartete sicherlich schon auf ein saftiges Stück Fleisch. Den Brief wollte sie nach der Portalreise in Ruhe lesen, so entschied die Zauberin.

Ungewohnt schlicht gekleidet, geschmückt mit einer Artefaktkette, welche ihren Fuchsschwanz und die Zähne verschwinden ließ, und die kupferfarbenen, langen Haare zu einem Flechtzopf zusammengebunden, betrat Mei die kleine Hütte auf Ard Skellig und fand alles wieder so vor wie sie es vor einigen Tagen verließ. Niemand machte sich an der Einrichtung zu schaffen, was hier nicht unüblich war. Sogar die Flasche Est Est stand noch auf dem Tisch. Zugegeben, verließ Mei die Hütte etwas überstürzt und hatte keine Zeit diverse kleinere Dinge wegzuräumen. Das holte sie mit einigen schnellen Handbewegungen nach und schon sah die kleine Holzhütte nicht mehr ganz so unordentlich aus.

Nachdem sie ihr kleines Gepäckstück in der großen verzierten Holztruhe verstaute, setzte sie sich auf das gemütliche weiche Bett und zog den Brief aus der Tasche. Das Sigel kannte sie nicht und deshalb zögerte sie erst etwas bis sie den Brief öffnete und zu lesen begann. Sichtlich überrascht las sie ihn zu Ende und war noch überraschter als sie den Absender erblickte. Ein Jarl schrieb ihr, DER Jarl aus Undvik, welcher vor ein paar Monaten noch ein Vagabund war und an dessen Name sie sich gut erinnern konnte. Zwar wurde er nur beiläufig als Rist bezeichnet, was wohl eine Abkürzung war, aber dennoch einprägsam genug. War bei ihr auch nicht anders, dachte sie. Sie starrte nochmals den Brief an: … vermutlich erinnerst du dich nicht mehr an unsere kurze Begegnung vor etwa zwei Jahren in Cintra. Ich wanderte damals als einfacher Vagabund an der Seite Annas … Und ob sie sich an diesen Kerl erinnerte. Etwas zottelige dunkle Haare zu einem Zopf zusammengebunden, nicht sehr groß, markante Gesichtszüge mit Bart und seine Kleidung verriet, dass er aus Skellige stammen könnte. Er hing bei dieser Begegnung immer wie eine Klette an Anna, daran erinnerte sie sich noch gut. Umso mehr wunderte es sie, wie dieser Mann es zu einem Jarl schaffte. Sie war allerdings auch nicht wirklich mit der Erbfolge der Skelliger vertraut. Mei las nochmals weiter und fing an sich mit Skoija zu unterhalten. „Hörst du das Kleine … er hat das dringende Bedürfnis sich mir zu unterhalten. Ich bin echt überrascht, dass ich nach all den vielen Briefen nun einen von Hjaldrist in den Händen halte. Ach wenn er wüsste, was ich schon alles wegen Anna unternommen habe. Das Schreiben hier bestärkt mich nun noch mehr. Eigentlich habe ich schon darauf gewartet, dass von ihm etwas kommt, schließlich ist er neben Vadim ein sehr guter Freund von Anna. Und das lustige, die beiden befinden sich hier in unmittelbarer Nähe. Ich könnte sie einfach besuchen und mich selbst davon überzeugen, wie es ihr geht. Was meinst du? Sie muss mich ja nicht sehen.“ Sie machte eine kurze Pause und wartete auf eine Antwort Skoijas.

„Ja du hast recht, es wäre zu riskant, dass Silven etwas davon mitbekommen könnte. Dann werde ich die beiden wohl erst auf dieser Insel Geddes treffen. Diese Insel … ich bin echt gespannt wie die so ist und es trifft sich so gut. Dann antworte ich dem Jarl wohl lieber gleich, bevor mir wieder etwas dazwischenkommt. Aber nett von ihm, dass er sich Gedanken darüber macht wie ich dort hinkomme. Was meinst du, Skoija? Die Olyckssyster im Hafen lassen und sich quasi kutschieren lassen … hmm lieber nicht, es ist zwar nett gemeint aber den Stress muss sich der gute Hjaldrist ja nicht machen. Er hat als Jarl sicher andere Probleme, zumal ich ja sowieso vor hatte mit den ganzen Zauberinnen und Filip via Schiff anzureisen.“ Was der Jarl aus Undvik beim Verfassen des Briefes nämlich nicht wusste, war die Tatsache, dass sie mit ihren Kolleginnen bereits beschlossen hatte, sich auf dieser besagten Insel Geddes zu treffen um dort Informationen auszutauschen. Auch bezüglich Anna, da manche ihrer Kolleginnen, vor allem Nyra, etwas schlampig waren, wenn es darum ging Ihr Informationen über den Briefweg zukommen zu lassen. Mit diesen Gedanken erhob sie sich und kramte in einem kleinen etwas schief geratenen Regal nach ihren Schreibutensilien. Nach kurzer Suche fand sie auch ein Papier welches nicht Opfer von Mäusezähnen wurde und schritt zu dem langen Eichentisch der am Fenster stand. Mit einer gekonnten Handbewegung ließ sie auf magische Weise das Fenster auffliegen und es strömte salzige und warme Luft in die Hütte. Einen tiefen Atemzug später setzte sich die Zauberin an den Tisch, breitete ihre Schreibutensilien aus und begann zu schreiben.

„So nur noch unterzeichnen, versiegeln und schon kann ich dich auf die Reise schicken.“, sagte Mei zu dem Brief vor ihr auf dem Tisch. Noch während sie dies aussprach, überlegte sie wie jetzt der Brief zu Rist gelangte. Momentan befand sie sich eher am Arsch der Welt, um so zügig einen Boten auftreiben zu können und ewig lange sollte der Brief hier nicht herumliegen oder auf dem Weg zum Jarl sein. Erfahrungsgemäß waren die Möwen nicht sehr geeignet um Briefe zu überbringen. Jetzt bereute sie es, dass sie ihren Raben Resta nicht hier hatte. Sie war verlässlich und wäre innerhalb einer Stunde locker von Ard Skellig nach Undvik und wieder zurückgeflogen. Nach einiger Gedenkzeit und einem Becher Wein entschied sie sich doch mit einem Portal die Insel zu wechseln und dort nach einem Boten Ausschau zu halten. Außerdem hoffte sie, dort jemanden zu finden der wusste wo sich Hjaldrist aufhielt. Mei wusste zwar, dass er auf Undvik war aber nicht genau wo er sich auf der kleinen Insel befand. Sie kannte die Insel zwar von früher aber war schon längere Zeit nicht mehr dort gewesen. Vielleicht zukünftig ja öfters, dachte sich die Zauberin. Sie zog sich schnell ein anderes dunkelgrünes Kleid an, steckte ihre Haare hoch und streifte sich ihre Brokat Gugel über den Kopf. Mit dem Brief von ihr und Rist bewaffnet verließ sie nicht einmal die Hütte um gekonnt und fast schon mit hypnotischen Armbewegungen und einem Spruch in ihrer Sprache sprechend, ein blau leuchtend, wabberndes Portal zu öffnen. Elegant schritt sie darauf zu, wurde von dem Leuchten verschluckt und mit einem dezenten Zischen schloss sich das Portal und Mei war verschwunden.

Die Luft auf Undvik war wie überall auf Skellige, salzig und warm, typische Insel-Luft eben. Entweder man mochte diesen Geruch oder man hasste ihn. Undvik war eine der kleineren Inseln der Skellige Inseln und lag zwischen An Skellig und Ard Skellig. Im Grunde sah sie wie jede hügelige Insel aus, eine Mischung aus kleineren Hügeln, bis hin zu großen Bergen bedeckt mit übersichtlichen kargen Baumgruppen oder kleinen Wäldchen, längeren kahlen Bodenabschnitten, viel Wasser und obenauf waren die Gipfel mit Schnee bedeckt. Undvik die Winterinsel, sie machte ihrem Namen alle Ehre.

An einem kleineren Wald standen einige Wildpferde und füllten ihre hungrigen Mägen mit den wenigen Gräsern die sie finden konnten. Plötzlich reckte ein junger Schimmel seinen Hals und schnupperte nervös in die Luft. Ein leises Wiehern entfuhr ihm, als er eine Veränderung in der Luft bemerkte, er spannte seine Muskeln an, bereit zur Flucht. Man vernahm ein immer lauter werdendes Zischen und die Luft begann bläulich zu flimmern. Als das Zischen seine endgültige Lautstärke erreicht hatte, schreckte das Pferd auf und hüpfte mit einem großen Satz zur Seite. Wo vor einigen Sekunden noch der Schimmel stand, öffnete sich plötzlich ein Portal und die rothaarige Zauberin schritt ebenso elegant wieder aus ihrem Portal heraus und stand nun auf der Wiese. So schnell sich das Portal öffnete war es auch schon wieder mit einem kleinen Aufblitzen verschwunden. Mei blickte sich um und sah das aufgeschreckte Pferd, welches sie nun mit großen, ängstlichen Augen anglotzte. Sie lächelte sanft und streckte ihre Hand dem Pferd entgegen aus und ließ es daran schnüffeln.

„Schhht, tut mir wirklich leid dich erschreckt zu haben. Ganz ruhig du schönes Geschöpf du.“, besänftigte sie den Hengst und legte behutsam ihre Hand auf seine Nüstern und streichelte seinen Kopf. Er duftete nach Freiheit und Wildheit, sein Fell war ganz weich und sie fühlte einen kleinen Wirbel auf seiner Stirn. Sie standen sich in der Zwischenzeit direkt gegenüber und Mei konnte ihre Stirn an die des Pferdes lehnen. Dann flüsterte sie: „Pass gut auf dich und deine Herde auf, hast du gehört!“ Der Hengst schnaubte hörbar wie zur Bestätigung aus und legte seine Ohren nach hinten. Nun bemerkte auch Mei die Stimmen in der Ferne. Sie streichelte dem Hengst noch einmal zur Verabschiedung den Kopf. „Ahh die können mir sicher sagen wo ich den Jarl finde. Mach’s gut Großer.“ Mit einem weiteren Hüpfer trabte der Hengst einige Schritte weg, aber gerade so um die Zauberin noch im Auge behalten zu können. Um nicht auffällig plötzlich im Nirgendwo zu stehen, steckte sie die Briefe in ihren Ausschnitt und tat so als würde sie Kräuter suchen und zupfte einige Grashalme heraus. Da sie nicht wie sonst ihren pompösen und recht auffälligen Kopfschmuck trug, wurde die Frau erst nicht von den heranlaufenden Männern bemerkt. Erst nach einigen Schritten mehr auf Mei zu, blieben die ersten zwei Männer plötzlich stehen, der hintere Mann bemerkte dies nicht sofort und rempelte versehentlich die anderen Männer an. „Hey sag mal warum bleibt ihr einfach stehen?“, frug der rundliche Mann. Die Männer trugen allesamt einfache Tuniken und Pluderhosen, welche mit typischen Wadenwickeln befestigt wurden. Der Größere der Gruppe schielte nach hinten und sprach in die Runde: „Da siehst du die Frau da hinten nicht? Boa diese Haare, aber keine von hier der Kleidung nach. Was macht die hier so allein am Waldrand.“ „Wohl eine von der mutigen Sorte!“, lachte der Dritte hämisch. Die Männer waren erst so mit sich beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkten, dass sich Mei schnurstracks auf die Gruppe zu bewegte. „Guten Tag die Herrschaften. Schön jemanden hier anzutreffen. Ihr könnt mir doch sicher sagen wo ich den Jarl, Hjaldrist Halbjørnsson Falchraite, hier auf der Insel finde. Ich war schon einige Zeit nicht mehr auf Undvik und kenne mich wohl nicht mehr so gut aus wie ich anfangs geglaubt hatte.“, sprach die Zauberin und lächelte gutmütig. Ihre Augen nicht von den Männern abwendend. Denn Stress mit einer Bande Männern auf dieser kleinen Insel konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen. Nicht, dass sie eine Chance hätten aber, wenn man es vermeiden konnte. „Ha wusste ich es doch ... du bist nicht von hier, Kleine. So so haste dich also verirrt. Sei froh, dass du nicht auf Ard Skellig bist, wenn du dich hier schon verläufst. Da hätte man wahrscheinlich nur noch deine kalte Leiche gefunden … und das wäre echt schade um dich.“, blöckte der Große und musterte die Zauberin von oben bis unten. „Ach komm schon Gehardt, lass sie doch und sei einmal in deinem Leben höflich, wenn du einer hübschen Dame begegnest.“, mischte sich nun der rundliche Kerl ein, rollte mit den Augen und schob sich an seinen Kumpanen vorbei und stand nun direkt vor Mei. Er verbeugte sich höflich vor ihr und sprach sie direkt an: „Werte Dame, darf ich mich vorstellen, mein Name ist Kay Hebrigsson, ortsansässiger Händler feinster Speisen. Und selbstverständlich werden wir euch den Weg zur Falkenburg zeigen. Gerne begleiten wir euch auch sicher dorthin, wenn ihr dies wünscht!“ Die beiden anderen Männer verzogen das Gesicht und waren nicht begeistert, was ihr Kumpel da vorschlug. Da sie doch eigentlich anderes vorhatten, als eine Reisende zur Falkenburg zu begleiten. Die offensichtlich eine Orientierung wie eine Kartoffel hatte. Mei schaute die Männer abwechselnd an und dachte an ihre Gedanken in der Hütte. „Das ist sehr freundlich von euch aber mir ist schon Genüge getan, wenn ihr mir den Weg beschreibt. Dann finde ich schon selbst dorthin.“, entspannte sie etwas die Situation, da sie den anderen beiden Männern ansah, dass sie keine Ambitionen hatten sie dorthin zu begleiten, zumal sie sich vor Ort ja aus Sicherheitsgründen nicht blicken lassen wollte. Wie der Brief nun endgültig zu Rist gelangte kam ihr vorhin schon in den Sinn. Es sollte aber kein menschlicher Bote sein.

Der höfliche Mann erklärte Mei den Weg zur Falkenburg, diese befand sich sogar nur 10 Minuten Fußweg entfernt. Nachdem sie sich herzlichst bedankte, schritten die Männer wieder los und waren nach einiger Zeit nicht mehr zu sehen. Bei der heiligen Melitele wollten sie nicht noch mehr wissen und ließen sich schnell überzeugen. Mei atmete noch einmal tief ein, sog die moosige, kalte Luft ein und ließ sich auf dem kargen Steinboden nieder. Sie schloss die Augen, legte ihre Hände in den Schoß und murmelte etwas vor sich hin. Nach wenigen Sekunden raschelte und fiepte es neben ihr. Ein rotbraunes Fellknäuel mit einer großen schwarzen Nase und noch größeren gelben Augen, lugte zwischen einem Busch hervor und streckte neugierig den buschigen Schwanz in die Höhe. Geduckt und fast schon mit dem Boden verschmelzend, kroch ein adulter Fuchs zu Mei und legte vorsichtig seinen Kopf auf ihren Schoß. Die Frau in dem grünen Kleid hatte jedoch immer noch die Augen geschlossen und murmelte immer noch vor sich hin. Der Fuchs hob den Kopf und legte ihn schräg und starrte sie an. Keine andere Reaktion seitens Mei. Auffordernd stupste der Fuchs sie an und vergrub daraufhin seine Schnauze in ihren Händen. Sogleich begann Mei den Fuchs feinfühlig an der Schnauze zu streicheln. Das Fuchsmännchen genoss diese Zärtlichkeit und gab ein zufriedenes Knurren von sich und ließ seine Ohren entspannt sinken. Langsam öffnete Mei ihre Augen und blickte auf den sichtlich entspannten Fuchs, welcher sie in der Zwischenzeit schon komplett belagert hatte. Sie betrachtete ihn noch einen Augenblick, spürte das flauschige Winterfell unter ihren Händen und hörte dann schlagartig auf ihn zu streicheln. Empört hob er seinen Kopf und schaute die Zauberin in die Augen. Mei lächelte und stupste die große schwarze Nase des Männchens mit dem Finger an und sagte: „Genug gekuschelt. Würdest du mir einen großen Gefallen erweisen?“, sie wartete auf eine Reaktion und wurde nicht enttäuscht. Aufmerksam und wieder mit schiefem Kopf schaute der Fuchs sie an. „Ich habe hier einen Brief und der müsste so schnell wie möglich zur Falkenburg, besser gesagt zu Jarl Hjaldrist. Ich selber sollte aber aus Sicherheitsgründen nicht dort aufschlagen, sonst würde ich ihn persönlich überbringen. Und ganz ehrlich, dir vertraue ich hier mehr wie einem Boten. Ich laufe auch ein Stück mit dir mit.“ Wie von der Tarantel gestochen sprang der Fuchs freudig auf und hechelte aufgeregt. Tänzelnd signalisierte er, dass er sich der Aufgabe gewachsen fühlte und rannte schon zu dem schmalen Trampelpfad. Mei erhob sich und erinnerte sich an die Worte des Mannes, der ihr den Weg beschrieben hatte. Das Fuchsmännchen hüpfend und sie mit ordentlich Tempo hinterherlaufend begab sich das etwas schräge Duo zur Falkenburg. Die Umgebung während der kurzen Wanderung war wundervoll und trotz der eher tristen Winterlandschaft mit so viel Leben erfüllt. In der Zwischenzeit war die Sonne schon beachtlich weit gesunken, nicht mehr allzu lange und sie ging vollends unter um dem Mond gänzlich Platz zu schaffen. In der näheren Ferne konnte Mei das große Tor zur Falkenburg ausfindig machen und beschloss ab hier dem Fuchs die Leitung übernehmen zu lassen. Sie kramte in ihrem Ausschnitt nach den beiden Briefen und streckte erst den Jarls Brief ihm vor die Nase. Er schnüffelte daran und merkte sich den Geruch um später den Empfänger ausfindig machen zu können. Mei steckte diesen wieder ein und hielt ihm nun ihren geschriebenen Brief vor die Schnauze. Fast schon gekonnt schnappte er sich ihn und platzierte ihn zwischen seinen Zähnen. Er setzte sich hin und hob seine linke Pfote. Grinsend nahm Mei sie in ihre Hand und schüttelte sie zur Verabschiedung. Sie hauchte ein leises „Danke“ und der befellte Bote machte sich an sein Werk. Eher springend als rennend steuerte der Fuchs auf die Burg zu und war am Ende nur noch als kleiner brauner Fleck zu erkennen. Mei wartete noch eine Weile, bis sie sich sicher war, dass ihr Bote in der Burg war. Ihr war klar, dass er irgendein Schlupfloch finden musste um hineinzugelangen, da es ziemlich merkwürdig wäre, wenn plötzlich ein Fuchs mit Brief im Fang vor den Torwachen stehen würde. Wahrscheinlich hätten sie ihn eher verscheucht. Mei riss sich selbst aus ihren Gedanken und drehte ihren Kopf in Richtung eines kleinen Fensters in der Falkenburg. Eben noch dunkel gewesen, leuchtete plötzlich eine Kerze oder Fackel auf und man konnte eine schemenhafte Gestalt ausfindig machen. War es womöglich der Jarl oder gar Anna. Nie würde Mei dies erfahren. Sie hoffte nur, dass es ihr gut ginge und richtete ein Stoßgebet für sie zur heiligen Melitele gen Himmel. Auf das sie über die Schwarzhaarige junge Frau wache. Besorgt sah sie wieder zum Tor. Als sie sich sicher war, dass alles geklappt hatte, öffnete sie versteckt wieder ein bläulich schimmerndes Portal und war verschwunden.

Das Fuchsmännchen bremste kurz vor dem Tor ab, gerade so, dass die Wachen ihn nicht sahen. Erst nach rechts blickend, dann links, entschied er sich rechts nach einer Lücke in der Mauer oder einer anderen Möglichkeit zu suchen um ins Innere der Falkenburg zu gelangen. Sein Gesuch wurde bald belohnt, als er eine enge, bröckelige Stelle in der Mauer fand, an der sich bereits ein großer Busch am Mauerwerk zu schaffen gemacht hatte. Er legte den Brief kurz ab und buddelte sich einen schmalen Tunnel. Erst vergaß er fast das gefaltete Pergament und wollte ohne ihn losstürmen, als es ihm wieder einfiel. Mit etwas Dreck benetzt sah sich der Fuchs in einem kleinen Gärtchen wider. Schnüffelnd begab er sich hurtig zu einem großen, langen Gebäude in dem zwischenzeitlich Fackeln oder Öllampen erleuchtet wurden, da die Dämmerung allmählich eintrat. Schleichend entlang der Wand suchte er nach einer Öffnung um in das Gebäude zu gelangen. Er hatte nur den Fährtengeruch von Mei erhalten als sie ihn an dem Brief des Jarls hatte schnuppern lassen. Dieser roch für einen Menschen eher nur nach Essen aber das Männchen roch tiefer und hatte schon bald eine geeignete Fährte aufgespürt. Nach einigen Metern erblickte er eine Tür durch die gerade eine sehr junge Frau mit langen Zöpfen heraustrat und wohl zu den Stallungen eilte. In der Hoffnung es würde noch jemand die Tür öffnen, lauerte das Fuchsmännchen an der Wand um schnell hineinhuschen zu können. Kurze Zeit später drückte eine etwas ältere Frau die Türe auf und plärrte irgendwas Unverständliches in einem schrecklichen skelliger Akzent in das Gebäude hinein. Ohne zu zögern hüpfte das Tier mit einem weiten Satz aus seinem Versteck und schlüpfte durch die Tür. Jedoch nicht unbemerkt. Die Skelligerin schreckte auf und schrie wie am Spieß. „Ahhhh … was zum … Merrrleeeee … ah das geht bestimmt auf deinen Mist. Holst mir hier verlaustes Vieh ins Haus, ihhgitt!“

Viel mehr bekam er nicht mehr mit, da er seiner Fährte folgend quer durchs Gebäude raste. Einige Männer stellten sich ihm in den Weg. Diesen konnte er aber geschickt ausweichen und gelang so tiefer in das Gebäude. Bald hatte er sein Ziel erreicht. Nach wenigen Schritten befand er sich in einem großen, hell beleuchteten Saal wieder. Eingerichtet mit langen Tischen und sehr vielen Sitzgelegenheiten. Eine dieser Sitzgelegenheiten fiel im besonders ins Auge, ein Stuhl der wahrlich ein Thron sein könnte, sein Ziel. Von draußen hörte man Geschreie und harte Schritte. All das kümmerte den Fuchs nicht, er hatte seine Aufgabe vorerst gemeistert. Schade nur, dass der Empfänger nicht anwesend war. Vielleicht wurde dieser ja wegen des unbeabsichtigten Tumults aufmerksam und musste sich auf seinem Thron ausruhen.
Ausruhen war ein gutes Stichwort. Frech hopste er auf den Thron legte den Brief neben sich ab und machte es sich auf einem weichen Kissen bequem. Er entschied sich, hier auf den Jarl zu warten, früher oder später wird er wohl auftauchen müssen um seinen Pflichten nachzugehen. Gähnend und schmatzend rollte er sich ein, den Blick auf die große schwere Tür gerichtet, welche nur einen Spalt weit offen war. Schlagartig wurde diese aufgerissen und vier Männer stürmten herein. Gefolgt von der alten Frau. „Jetzt macht doch nicht so einen Tumult. Ich habe nur was Kleines mit Fell gesehen. Vielleicht war es auch irgendeine Katze.“ „Vorhin hast du gesagt, es war groß und hatte einen langen buschigen Schwanz. Kannst du dich mal entscheiden Weib. Der Jarl hat, bei Freya mehr zu tun als um sich um räudiges kleines Vieh in seinem Haus zu kümmern. Wenn es kein Monster ist, ist es auch keine Gefahr. Erschlag es, wenn du dem Vieh nochmal begegnest!“, schnauzte einer der Wachen die arme Frau an. Die beiden verfielen in einen kleinen Streit. In dem Moment betrat ein Mann mit dunklen, längeren Haaren, welche zu einem Zopf zusammengebunden waren, den Raum. Auf einem Kopf trug er einen wertvoll aussehenden Reif, wie eine Krone. Selbstbewusst und bestimmt trennte er die beiden Streithammel.

„Was ist denn hier los?“, begann er zu sprechen. „Tumult so früh am Abend, was soll das? Britta?“ Die ältere Frau, die mittlerweile ziemlich fertig aussah, antwortete erst etwas zögerlich. „Ich wollte zum Kräutergarten und plötzlich huschte durch die Tür etwas Felliges an mir vorbei ins Gebäude. Ich hab mich zu Tode erschreckt und laut aufgeschrien, aber ich denke es war vielleicht nur eine Katze. Tut mir leid für diesen Aufstand, Hjaldrist.“ Einer der Männer suchte währenddessen den Raum ab, blieb auf Hjaldrist’s Thron hängen und öffnete langsam den Mund um etwas zu sagen. „Keine Katze … ein wilder Fuchs hat sich hier Zutritt verschafft! Schaut mal da, der hat es sich auf dem Thron gemütlich gemacht.“, der Mann zeigte mit dem Finger zu dem hölzernen hohen Stuhl und dem darauf liegenden Fuchs. Hjaldrist grinste breit, denn so etwas hatte er noch nicht erlebt. Langsam ging er auf seinen Thron zu, um den Fuchs näher betrachten zu können. Er machte keinerlei Anstalten verschreckt wegzurennen, wie man es eigentlich von einem wilden Tier erwarten würde. Im Gegenteil, Hjaldrist konnte ihm so nah kommen wie er es zuvor nie konnte. Das war in dem Augenblick ein wunderschönes Gefühl. Das Fuchsmännchen hob seinen Kopf und schaute den Mann mit der Krone schräg an und bellte kurz auf. Dieser erschrak kurz und lachte auf. Erst jetzt fiel ihm der kunstvoll gefaltete Brief neben dem Fuchs auf. Aus Angst das Tier könnte ihn beißen, wenn er nach dem Brief griff, sprach er besänftigend auf ihn ein. Ruckartig schnellte das Tier hoch uns saß nun aufrecht da. Dabei fiel der Brief vor den Thron zu Boden. Mit dem Fuß versuchte der Jarl den Brief vorsichtig herzu fischen, da er immer noch die Befürchtung hatte der Fuchs könnte ihn zerfleischen. Ein ihm bekannter Duft stieg ihm in die Nase. Konnte das sein, dachte er sich. Er starrte erst auf den Brief, dann zu dem Fuchs. Ohne Vorwarnung sprang dieser auf und hüpfte an Hjaldrist vorbei zur offenstehenden großen Tür und verschwand.

„Schnell Olfir, renne hinterher und eskortiere ihn sicher wieder hier raus … schnell … im soll nichts geschehen!“, schrie der Jarl beinahe seine Wache an. Olfir glotzte ihn erst dümmlich an, tat aber wie ihm befahl und rannte dem Fuchs hinterher. „Was ist denn plötzlich los Hjaldrist? Warum soll Olfir einen wilden Fuchs hinausbegleiten?“, stammelte Britta fassungslos. Rist schaute auf den Brief in seiner Hand. Das Sigel erkannte er von einem anderen Schreiben das Anna vor einiger Zeit erhielt. Als er das Pergament umdrehte und die schöne schwungvolle Schrift erkannte, wurde seine Vermutung bestätigt. „An den Jarl, Hjaldrist Halbjørnsson Falchraite“ Ebenso roch das Papier leicht nach Vanille. Er war sichtlich erstaunt so schnell eine Antwort vom Silberfuchs zu erhalten und vor allem auf solch eine Art und Weise. Irgendwie hatte das Stil. „Weil der Fuchs einer Bekannten gehört, der ich einiges zu verdanken habe.“, antwortete der Jarl ernst …

von Pam