Per viam Redaniae – durch das wilde Redanien

Per viam Redaniae – durch das wilde Redanien

Aus dem Tagebuch des Atheris von Toussaint, Kestrel Gebirge Sommer 1281

Wenn mir jemand vor einigen Jahren erzählt hätte, dass ich mich mit einer Hexerschule und einigen ihrer Freunde durch die Wildnis Redaniens, genauer gesagt durch das Kestrel Gebirge schlage, hätte ich ihn mit einem Lächeln im Gesicht für einen Wahnsinnigen gehalten – und dennoch hätte er Recht behalten. 

Eine Woche ist es her, dass wir auf das geheime Versteck des gesuchten Magiers Asken Hilvering gestoßen und seine „abnormalen“ Experimente entdeckt hatten. Den wenigen Hinweisen, die wir in seinem Labor vorgefunden haben, führten uns weiter in den Norden, denn es ist uns ein persönliches Bedürfnis den Rest seiner „Bruderschaft“ aufzuspüren und ihren „Experimenten“ ein Ende zu setzten.

Zu meiner Überraschung gesellten sich auf unserer Wanderung neben alten Bekannten und Freunden der Greifen auch neue Gesichter hinzu, die sich unserer Jagd nach den Magiern für den Moment anschlossen. 

Durch die Neuankömmlinge gab es viel zu erzählen und aus der vorher düsteren Stimmung wurde ein fast schon geselliges Austauschen von Neuigkeiten – zumindest für kurze Zeit, denn nur wenig später entdeckten unsere Fährtenleser Spuren neben dem Waldweg und wie sich schnell herausstellte trieb hier ein Ungeheuer sein Unwesen…und es hatte gemordet! Menschliche Knochenfragmente, Blut und nach nassen Hund stinkende Fellreste konnten gefunden werden. Die erste Vermutung war, dass es sich hierbei um einen Werwolf oder etwas zumindest Ähnliches handeln musste.

Die Fährte des Wolfes führte uns über schmale Waldpfade quer durch einen Wald und wir fanden weitere menschliche Überreste…der Größe nach zu urteilen, die eines Kindes. Das Ganze erinnerte mich stark an ein altes Kindermärchen, nur die rote Kappe gab es nicht. Auch führte uns die Spur nicht zu einer alten, einsamen Hütte im Wald, sondern an den Waldrand. Hier wurden unsere Spurenleser erneut fündig. Neben weiteren Blutspuren…diesmal wohl vom Werwolf selbst stammten, fanden sie auch eine gesprengte alte Kette, die lose an einem Baum hing. Vermutlich hatte sich das Wesen hier in der letzten Nacht vor der Verwandlung selber angekettet – zum Leidwesen seiner Opfer allerdings nicht erfolgreich. Das Wesen musste sich hier zurückverwandelt haben, denn nackte menschliche Füße führten aus dem Wald auf einen mit Steinen befestigten Feldweg, wo sich die Fährte leider verlor. Großmeister Valerian entschied sich daraufhin zu unserem geplanten Nachtlager weiterzuziehen. Dieses sollte in einer nahegelegenen Burgruine aufgeschlagen werden.

In der Ruine kam es dann zu einem unerwarteten Wiedersehen. Einer der ehemaligen Schüler Valerians, die er noch zu Zeiten der „alten“ Greifenschule ausgebildet hatte, lag von dem Werwolf verwundet im Schatten an eine Mauer gelehnt. Die notdürftig verbundene Wunde am Bein von Havik – so stellte Valerian uns den Neuankömmling vor – wurde von Malva professionell versorgt. Schade das Logan nicht mit auf der Expedition war, denn es hätte ihn sicherlich gefreut zu erfahren, dass er durch Havik als dienstältesten Hexer-Lehrling abgelöst worden war. Mir ist klar, dass Havik ohne Meister in den letzten acht Dekaden natürlich nicht weiter ausgebildet werden konnte – aber das ist für diese Statistik nicht relevant.

Die Mittagssonne brannte gnadenlos auf unsere Köpfe nieder, als wir uns endlich im kühlenden Schatten der Bäume und Mauerreste niederließen. Mit Brot, Käse und Wurst…aber leider ohne eine von Jiris legendären Hirschkeulen stärkten wir uns. Meine liebe Grazyna hatte zu meiner freudigen Überraschung noch eine Flasche besten Est-Est dabei, den ich gleich mal Jiri zum Probieren weiterreichte. Selbst der ansonsten Alkohol meidende Gabhan gönnte sich einen Schluck des roten Weines, was seine Stimmung leider nur wenig aufhellte. 

Verwundert war ich allerdings, als Gabhan mit der geladenen Armbrust auf Valerian zuschritt und dabei auf den Hexer-Lehrling Egon zielte. Mit einem schnellen „Aard“ brachte Großmeister Valerian den Hexer zu Fall und nur einen Wimpernschlag später war er bereits über ihm. Gabhan schien es nicht ernst gemeint zu haben, denn wie ich ihn kannte, hätte er sich niemals wehrlos von Valerian niederstrecken lassen…ich denke er hatte einfach nur eine verdammt schlechte Woche und es war ihm nicht zu verdenken gewesen, denn seit er, im Kerker des Magiers, die missratenen Experimente, ob lebend oder tot, auf Valerians Geheiß entsorgen sollte, war seine eh schon schlechte Grundstimmung endgültig ins Bodenlose gesunken.

Zumindest konnten Valerian und Ghaban ihre Streitigkeiten schnell beilegen und Großmeister Valerian bat Egon und mich zum Schwertkampftraining. Nach einigen Aufwärmübungen, einigen neuen Angriffsstrategien und einem Sparringskampf zwischen Egon und mir, kam es noch zu einem weiteren Ringkampf zwischen Gabhan und unserem neuen Fährtenleser dem Skelliger Nechtan.

Alles im allen war es zwar kein sonderlich ereignisreicher Tag, aber das Wiedersehen mit den Freunden und die zu erzählenden Geschichten, ließen den Tag kurzweilig ausklingen.


Menschliche Abgründe

Menschliche Abgründe

Die Gruppe, bestehend aus Gabhan, Grazyna, Valerian, Nella, Heskor, Jiri und Atheris war nach den ereignisreichen Tagen in der großen Stadt Wyzima ein Stück nordwärts gereist, wo sie in der Schenke „Rehfuß“ entspannen konnten. Allerdings meinte der Inhaber, ein Wirt mit schütterem Haar und schlechten Zähnen, dass sich vor kurzem jemand nach Mutanten, Andersartigen, eben „genau so welchen wie ihr … Hexer“ umgehört habe, ein Magier aus Ban Ard der in Richtung Kestrel Berge aufgebrochen war, vermutlich um zu seiner Akademie zurückzukehren. Nach dem schnellen Entschluss dieser Spur nachzugehen, traf die Gruppe auf einen stets heiteren und angetrunkenen Feldscher mit dem Namen Ludwig, sowie einen Skelliger namens Nechtan, der anbot, die Gruppe durch das Gebirge zu führen, da er wohl viel unterwegs sei und oft als Führer fungiere.

Doch bereits wenige Stunden nach der Überquerung der redanischen Grenze – Nechtan hatte die großen Zollstationen weit umgangen – stand die Gruppe vor einem Problem: links und rechts ging es nicht weiter, sumpfiger Morast machte ein Weiterkommen zu beiden Seiten hin unmöglich, vorn wiederum herrschte Stau; etliche Viehzüchter, Bauern und Händler warteten bereits.

Nach einer kurzen Untersuchung konnte die Gruppe feststellen, dass ein Adliger, „der Herr Targill vom kleinen Wäldchen, Cousin ersten Grades vom Herrn des großen Wäldchens“ mit seiner Kutsche einen Unfall hatte, das große Wagenrad steckte tief zwischen zwei eingewachsenen Steinen.

Der Adlige ergriff nach kurzem Dialog Gabhans Schwert und ließ einen seiner Mannen mit diesem das Wagenrad noch oben hebeln, etwas anderes passte nicht in die schmale Nische zwischen Rad und Stein und schließlich wusste doch jeder, dass Hexerschwerter verzaubert und somit unzerstörbar waren. Gleichzeitig formte Atheris das Zeichen Aard und Heskor stellte sich, aus unerfindlichen Gründen, direkt vor ihn. Es kam wie es kommen musste – einer Kartaune gleich wurde Heskor gegen den Knecht geschleudert, beide flogen nach hinten und die Waffe brach entzwei.

Von Wut übermannt schleuderte der Bärenhexer die Kutsche zur Seite, woraufhin Reichtümer aus Nilfgaard zum Vorschein kamen – offensichtlich hatte sich der redanische Adlige vom Feind kaufen lassen. Nach einem lauten Rufen Gabhans ging die – bisher wartende – Menge in Raserei über, die paar Wachsoldaten wurden mit Flegeln, Heugabeln, Steinen, Fäusten, Zähnen und Schuhen niedergemacht.

Der Adlige wurde am Leben gelassen, jedoch wurde er, zuvor von Atheris bei der Flucht gestoppt, mit einem Sklavensymbol aus Nilfgaard versehen, etwas, für das Gabhan viele finstere Blicke erntete. Nechtan war, wie sie später feststellen, offenbar irgendwo in der lauten Meute untergegangen und war nicht mehr auffindbar.

Das darauffolgende Dorf schien wie verlassen, es war nicht namenhaft und nicht groß, deswegen sei an dieser Stelle auch kein Name genannt. Die Gruppe entdeckte exakt abgetrennte Leiber die mal in der Mitte, mal längs, mal am Kopf, mal an den Beinen Portalmagie war, denn noch während sie durch das Dorf gingen, wurden sie durch solche entführt.

Eine Weile folgte Schwärze und als jeder der Gruppe, mit einem unglaublich trockenen Mund und schmerzenden Gliedern aufwachte, sahen sie sich in Zellen wieder, jeder in einer eigenen. Das Dimeritium an den Wänden verhinderte ein magisches Einwirken, der Wille zum Ausbruch war aber dennoch zu stark und so kratzten die einzelnen Gefangenen mit spitzen Gegenständen so viel Mörtel aus dem Mauerwerk, dass sie nach und nach Steine abtragen konnten.

Auch die beiden Gehilfen – ein offensichtlich geistig verwirrter und ein Mann mit einer Armbrust – Bohold und Ilmar, konnten sie nicht stoppen. Nachdem die Gruppe aus den Zellen geflohen war, schienen die Gehilfen vollkommen überfordert mit der Situation und taten einfach … nichts. Beim durchstreifen des Kerkers konnte die Gruppe nun etliche Experimente sehen, sowohl an Tieren, Monstern und auch Menschen – jeder von ihnen war auf eine andere Weise „modifiziert“ oder verbessert worden, doch keiner davon lebte mehr wirklich, sondern bettelte nur noch vor Schmerzen um den Tod.

Dies alles war das Werk vom gesuchten Magier, „Asken Hilvering“, ein ehemaliger Schüler aus Ban Ard, der zusammen mit einigen Kommilitonen von der Akademie verbannt wurde, da ihre Experimente zu grausam und zu schlecht für den Ruf der Institution waren.

Hier, in diesem Kerker schien Asken seine Forschungen fortgesetzt zu haben, offenbar mit dem Ziel herauszufinden, wie Hexer einst entstanden waren, um selbst etwas „noch besseres“ zu erschaffen, doch jeder seiner Versuche war gescheitert. Im Wahn setzte er sich selbst Tieraugen ein, was seinen Verstand vollends vernichtet hatte. Valerian und Grazyna entdeckten einen regen Briefaustausch zwischen Asken und den anderen Zauberern, die damals von Ban Ard verwiesen wurden, die Gewissheit, dass dies nur einer von mehreren Orten sein konnte, wo solche Versuche durchgeführt wurden, kam schnell – beinahe so schnell wie die Bitte darum, dass Gabhan allen elenden Kreaturen Gnade durch einen schnellen Tod erweisen sollte.

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Recte obsideretur – zu Unrecht angeklagt

Recte obsideretur – zu Unrecht angeklagt

Aus dem Tagebuch des Atheris von Toussaint, Wyzima Sommer 1281

Wyzima, einstige Hauptstadt des Königreichs Temerien – nun Hauptstadt der nördlichsten Provinz des Kaiserreiches. In all den Jahren, die ich während der zwei ersten nördlichen Kriege im Norden verbracht hatte, war ich nie in dieser Stadt gewesen…und ich muss gestehen, dass ich bisher auch nichts verpasst habe. Die Gründe hierfür sind leicht erkennbar – alle Nachteile die man erwarten kann, wenn viele Menschen auf einem Haufen wohnen, kann man riechen und sehen! Die Vorteile hingegen – fehlen fast komplett. So kam es auch, dass Gabhan, Grazyna und ich uns in einem Gasthaus nahe der Stadtmauer niederließen, wobei Gasthaus noch nett umschrieben ist.
Während Grazyna und ich uns ein Glas Wein gönnten, machte sich Gabhan auf um einen Auftrag in der Kanalisation zu erledigen, in der einige unbescholtene Bürger verschwunden waren.

Gabhan erzählte mir später, wie er es mit einem Zeugl zu tun bekommen hatte und dass er auch Wochen später noch den Gestank in seiner Nase nicht losgeworden ist. Während des Auftrages stieß Vladim, der Löwenhexer und ein Freund der Greifen zu ihm. Gemeinsam besiegten sie das Monster und gingen zurück zum Auftraggeber…was zu einem ersten Problem an diesem Tag führen sollte. Denn beide Hexer bestanden auf die jeweils ausgehandelten Prämien, wohingegen der Auftraggeber lediglich eine einzelne Kopfprämie bezahlen wollte.

Ich kann leider auch nur aus zweiter Hand erzählen, was passiert sein musste, aber später am Abend trafen die beiden auf Großmeister Valerian, Nella und Jiri…keine Ahnung was die Ursache war, aber als ich mich später mit Grazyna auf dem Weg zum Treffpunkt mit Valerian aufmachte, brannte ein Haus, das von einem aufgebrachten temerischen Mob in Flammen gesteckt worden war. Während Nella von außen versuchte das Feuer unter Kontrolle zu bringen, machten wir uns auf den Weg ins Innere um unseren Freunden zu helfen…es war eine Katastrophe! Sie hatten sich mit einer nilfgaardischen Patrouille in die Haare bekommen und wenigsten zwei der kaiserlichen Soldaten lagen schwer verwundet am Boden.

Inzwischen hatte Nella das Feuer zum Erliegen gebracht, da kam es noch dicker. Eine Einsatz-Patrouille der Kaiserlichen brach durch die Tür und umzingelte uns. Ohne Gegenwehr ließen wir uns abführen. Wenig später fanden wir uns im Gerichtssaal auf der Anklagebank wegen Konspiration mit dem temerischen Widerstand wieder. Durch das Vorzeigen meiner kaiserlichen Dokumente erlangte zumindest ich die Freiheit, wohingegen die anderen Hexer als Exempel die Todesstrafe ereilen sollte. Zusammen mit den nicht inhaftierten Magierinnen Nella und Grazyna und Jiri dem Seemann, machten wir uns an die Arbeit, einen Fluchtplan für unsere Freunde zu entwerfen.

Während Jiri loszog um Kontakt mit dem temerischen Widerstand aufzunehmen, machten Grazyna und ich mich auf dem Weg zum Richter. Als Bürger des Kaiserreiches in Positionen mit ein wenig Einfluss, machten wir uns daran, das Urteil aufheben zu lassen, was nicht ganz gelang. Zumindest wurde das Strafmaß von Todesurteil auf abhacken der rechten Hand gemildert…nicht ganz was wir wollten, aber zumindest etwas, womit man arbeiten konnte.

Zurück im Quartier erarbeiteten die beiden Magierinnen einen Illusionszauber, der den anwesenden Wachen bei der Hinrichtung abgehackte Hände vortäuschen sollten. Jiri machte sich in der Zeit auf und organisierte auf seine eigene, unnachahmliche Weise ein paar echte abgehackte Hände, die schließlich benötigt wurden um die Scharfrichter zu täuschen. Nella ließ zusätzlich einen Igel zu Valerian ins Gefängnis laufen um ihn und die andere zur Geduld zu mahnen. Da wir unseren Plan als hinreichend sicher erachteten, ließen wir den gewaltvolleren Alternativplan mit dem Widerstand fallen, es war nicht sonderlich gut für das Geschäft, im Norden auf der Fahndungsliste der Kaiserlichen zu stehen.

Um es kurz zu machen, der Plan funktionierte ziemlich gut und wir konnten unsere Freunde mit ihren zum Schein abgehackten Händen durch die Vordertür des Gerichtsgebäudes eskortieren. An dieser Stelle sei ein Lob ausdrücklich erwähnt…ich hätte nicht gedacht, dass Valerian, Vladim und Gabhan so gut schauspielern konnten…in Anbetracht, dass man Hexern nachsagte, dass sie zu keinerlei Emotionen fähig wären.

Ende gut…alles gut? Mit Sicherheit nicht, aber für dem Moment musste es reichen. Um die Täuschung nicht doch noch auffliegen zu lassen, ließen wir Wyzima fürs erste hinter uns und machten uns weiter auf den Weg in Richtung Norden zum Kestrell-Gebrige.