Kaer Iwhaell Festmahl 4

Kaer Iwhaell Festmahl 4

03.-05.12.21

26. Velen 1282, Niemandsland zwischen Lan Exeter und Aedd Gynvael

Liebes Tagebuch, Valerian hatte es tatsächlich für eine gute Idee gehalten Atheris, Jora und mich loszuschicken, um auf Wunsch unseres Gastgebers eine lokale Räuberbande zu verjagen. Ich war tatsächlich überrascht, dass sich die Aufgabe als deutlich leichter herausstellte, als ich zunächst gedacht hatte. Dies mag vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass als wir das Lager gefunden hatten, dieses nur schwach besetzte war.

Als wir wenig später dann wieder im Gasthaus ankamen, erfuhren wir auch den Grund dafür – die Räuber hatten versucht, Vladim und einige andere Greifenfreunde zu überfallen – Selbst schuld…

So, oder so war das Gasthaus nun voll mit fremden Hexern und mir zum teil ungekannten Freunden. Keine Ahnung warum Valerian die alle herbei gepfiffen hat, aber es hat bestimmt etwas mit Kaeriseren zu tun – verdammt wie schreibt man das eigentlich? Ach … Egal.
Das Gasthaus war gut voll und ich hatte gerade angefangen, mich unter die Leute zu mischen und mir ordentlich einen hinter die Rüstung zu kippen – als der Abend doch noch spannend wurde. Wie sich herausstellte war eine Dame unter den Gästen eine Werwölfin und sie suchte Hilfe.

Sie hatte schreckliche Angst vor den bereits mutierten Hexern und wandte sich offensichtlich an mich, weil ich in ihren Augen der einzige war, der sie nicht sofort umschneiden würde – muss wohl an meinem Charisma liegen!

Naja, jedenfalls bat sie mich um Hilfe und ich sammelte von da an ganz viele Informationen, um mich darauf vorzubereiten, sie am nächsten Morgen zu heilen. Valerian meinte, es würde eine wundervolle Jagd-Vorprüfung für mich sein.

Eigentlich war ich die ganze Zeit nicht nervös … bis jetzt!

Ich sollte ins Bett gehen, es wird spät und die Bücher, die mir Valerian rausgelegt hat ‘riechen‘ förmlich nach einem laaaaangen Tag und dabei denke ich noch nicht Mal an das Labor, welches mich ebenfalls aus dem Nebenzimmer förmlich anstarrt … andererseits – ich werde mir noch mit Valerian einen in den Damm biebern und dann aber ab ins Bett.

 

27. Velen 1282

Meine Fresse, diesem Tag soll von ‘nem Mantikor in den Arsch gebissen werden. Mir tut alles weh und muss jetzt noch „Einen Bericht über die Geschehnisse des heutigen Tages, sowie eine Zusammenfassung aller Substanzen und Methoden welche du verwendet hast“, verfassen…. leck mich Valerian!

Aber hilft ja nichts, dann fange ich mal von vorne an:

Natürlich hatte ich mir mit Valerian gestern Abend noch einen reingeorgelt, wie so ein Achtarmiger und habe dann das Training am nächsten Morgen fast verschlafen.

Verdammter Hexer-Metabolismus, dem alten Sack hat man heute Morgen natürlich wieder nichts angemerkt.

Nach dem Frühsport nahm Raaga mich und ein paar andere zum Spurenlesen-üben mit und sorgte dafür, dass ich möglichst viel Schnee in den Mantel bekam.

Als wir dann nach einer gefühlten Ewigkeit wieder zurück kamen, konnte ich mich endlich dem eigentlichen „Werwolf-Problem“ und den dazugehörigen Vorbereitungen, widmen.

Wir entschieden uns ein Serum zu kochen, welches die Physisteile des Werwolfs zerstören sollte. Eilig machte ich mich auf den Weg, die benötigten Kräuter und Zutaten zu sammeln – was sich im Nachhinein durch den ganzen Schnee als gar nicht so einfach erwies. Das Ganze dauerte deswegen leider etwas länger, als ich erwartet hatte, so dass die Werwölfin wohl Panik bekam und aus dem Gasthaus verschwand.

Zusammen mit den anderen Hexern nahm ich die Verfolgung auf und schnell verrieten und die Spuren, dass sich die Arme vollständig zum Werwolf transformiert hatte – einige Stunden früher als ich nach meiner Recherche erwartet hatte – was die ganze Sache nun deutlich erschweren würde.

Wir jagten also diese haarige Gewitterziege durch den Wald, Berge hoch und runter, bis wir realisierten, dass sie uns gezielt vom Dorf und dem Gasthaus weglockte.

Wir sprinteten also panisch zurück und fanden den nilfgaardischen Terrier kurz vor dem Gasthaus. Wie die Meister-Hexer versuchte ich den Werwolf zu beschäftigen und mit nicht tödlichen Hieben in Zaun zu halten, damit ich ihm die Spritze mit dem Anti-Werwolf-Serum verpassen konnte.

Beim zweiten Versucht klappte es dann auch! In meiner Freude ließ ich mich leider ablenken und wurde von den Werwolfpranken aufgespießt und durch die Luft geworfen. Das nächste woran ich mich erinnern konnte war der Geschmack vom Heiltrank und ein nicht enden wollender Würgereiz – aber es hatte funktioniert! Wir brachten das Mädchen zurück ins Gasthaus, wo wir uns um den letzten Schritt der „Entwolfung“ kümmern konnten.

Nein, es konnte natürlich noch nicht vorbei sein, denn das Serum sorgte schließlich nur dafür, dass sie sich nicht mehr verwandeln konnte – der Fluch jedoch war noch da. Diesen Rest überließ ich allerdings den anwesenden Magiern, denn mit derart Ritualen kenne ich mich ehrlich noch nicht aus.

Wie es schein haben die den Fluch auf einen Igel übertragen können – zumindest habe ich das so verstanden! Ja, es klingt bescheuert … ist es auch … aber es scheint funktioniert zu haben.

So oder so werde ich mir jetzt den Burggraben füllen und ich denke ich nehme mal die Socke mit – die Neue hat mich jetzt mehrmals angelächelt – sicher ist sicher! Vielleicht wirds ja heute Abend schon was mit dem „Gesetz der Überraschung“!

Fotos von Anne


Neu Ahornbach 9

Neu Ahornbach 9

04.03.-06.03.22

… wir durchquerten also das vereinte Königreich Ahornbach auf der Suche nach Arbeit, Fenja und ich. Die anderen Greifen bildeten ebenfalls kleine verstreute Gruppen um Geld zu verdienen. In Pont Vanis zu überwintern ist kostspieliger als gedacht. Unsere Kasse gähnt vor Leere.

Wir hörten also bei Durchquerung von Ahornbach, dass ein gewisser Großinquisitor und Ritter Rodrigues de Bivar Hilfe bei der Beseitigung von Werwölfen braucht – auch von Dämonenpaktierern und Nekromanten, aber das wollten wir getrost anderen überlassen.

Wir bestiegen also am Abend die letzten Stufen hoch zur Burg des Großinquisitors. Eine Reisegesellschaft ähnlich angelockter ging voran. Sie schritten durch das Burgtor mit natürlicher Selbstverständlichkeit – während Fenja und ich verdutzt guckten: Am Eingang standen zwei Männer mit Fackeln in roten Mönchsroben und weißen Masken. Sie erhoben die Fackeln zum düsteren Spalier und empfingen die Reisenden mit dem Gruß „pax vobiscum“.
„Hast du auch das Gefühl, die schließen hinter uns die Tore, wenn wir da reingehen?“ fragte Fenja verunsichert. So gingen wir ein paar Schritte hinein mit dem Ziel mit den roten Novizen zu sprechen, aber außer „pax vobiscum“ kannten Sie scheinbar nur das Vokabular „der Inquisitor wird eure Fragen beantworten“.

Wir schritten also in den Burghof wo sich eine Menschentraube gebildet hat und ein Herold erhob die Stimme um seinen Herrn den Großinquisitor anzukündigen. Außerdem verkündete er, dass alle Reisenden Passierscheine, Visa und Magiewirkergenehmigungen täglich vorzeigen und neu beantragen müssten. Gekrönt wurde die schräge Vorführung mit einer jungen Frau, die aus einem Kerker gezogen wurde: Sie sei eine Vampirin und solle hingerichtet werden. Sie flehte bitterlich, und ich bezweifelte als Fachmann, dass zwei magere Novizen eine höhere Vampirin oder eine Bruxa einfach festhalten könnten, gefesselt durch einen Leinenstrick. Ich schritt also zum präsentierten Großinquisitor und wollte mich vergewissern, dass ihr Vampirismus bestätigt sei. Er fertigte mich mit flüchtigen Worten ab. Als das Urteil vollstreckt wurde, löste sich die Frau in Asche auf.

Wir fertigten mit unerträglichen Anstehzeiten unser geduldiges Genehmigungspapier aus und wir fragten uns über den Herold nach Arbeit durch, bis wir zur Mitternachtsstunde den Inquisitor sprechen konnten in seinen persönlichen Gemächern: Mehrere Federbetten standen an den Wänden um ein großes Rundes Turmzimmer. Die Betten wiesen verankerte Handschellen auf, und ich wünschte es würde sich um ein liebliches Bettspielzeug handeln – doch der Inquisitor bestätigte mir, dies diene zum verschärften Verhör. Aber Einerlei, Spinner gibt es überall: Wir vereinbarten einen schriftlichen Jagdvertrag um Werwölfe und Ihnen dienende Gestaltwandler zu jagen, die eine große Bedrohung für die Burg und das Land ausmachten.

Von dieser Bedrohung merkten Fenja und ich herzlich wenig: Wir verbrachten einige kalte Nachtstunden in der nicht ganz so kalten Taverne, lernten ein paar nette andere Reisende kennen und wir schließlich zu Bett gingen.

Der Morgen war stink langweilig. Von der sogenannten Bedrohung merkten wir nichts. Es wurde um die Mittagsstunde eine große Hatz im Wald vereinbart. Die Zeit verbrachten wir, um unseren neuen Reisefreunden bei Nachforschungen zu helfen: Sie vermuteten, dass der Großinquisitor etwas verbirgt. Fenja versuchte beispielsweise das Schloss zum Gemach des Inquisitors zu knacken – ohne Erfolg. Dafür wurden wir aber mithilfe eines rhetorischen Vorwands in den Kerker gelassen. Unsere Reisegefährten analysierten, dass die eine Zelle, von einer magischen Barriere umgeben, die Leiche eines Nekromanten beherbergt – der Lebenskraft aus benachbarten Gefangenen ziehen konnte. Die Gefangenen wurden umverlegt und schon war das Problem erledigt. Manchmal geht’s halt auch einfach. Ja ok, es gab irgendwelche Inkognito-Nekromantenschüler die sich unter die Reisenden gemischt hatten – aber die ambitionierten Freizeit-Häscher unter den Reisenden konnten diese Entlarven und dem so vertrauenswürdigen Inquisitor übergeben.. ich weiß ja nicht. Hat den Beigeschmack zweier Übel, zwischen denen ich ungern wählen möchte.
Außerdem lernten Fenja und ich uns besser kennen: Sie erzählte mir von ihrer Jägersfamilie, ihren Brüdern, Erwartungen an sie, die sie scheinbar sehr belasteten… aber sie ist einfach zu stolz um ihre Situation vollkommen offen und ehrlich zu schildern. Sie hat das Herz am rechten Fleck und gerne soll sie uns weiter begleiten: Wenn etwas von dem (vermeintlichem) Monsterjagdruhm auf ihre weiße Weste fällt, so soll sie ihn gerne haben. In meinem Herzen hat Fenja auf jeden Fall einen kleinen Platz verdient.

Aber greifengetreu führten wir zur Mittagszeit unsere Jagd aus: Und waren sehr erfolgreich. Wir brachten rund 12 Wolfs-Gestaltwandler zur Strecke – echte Werwölfe gab es nicht – und konnten aufgrund des Gewichts zu zweit 8 derer Köpfe tragen und dem Inquisitor in der Burg übergeben. Er meinte sodann, er werde die Bezahlung holen – und das ist der Moment in dem so mancher Schuldner plötzlich merkt „oooh meine Soldkasse ist plötzlich weg“, doch dieses mal nicht: Nach einer verdächtig langen Wartezeit kam der Inquisitor aus seinen Gemächern zurück, und überreichte uns 16 gottverdammte riesige Goldtaler! Unfassbar. Ich bedankte mich herzlich und plante sogleich mit Fenja die Abreise aus diesem seltsamen Zirkus. Leider wurden wir durch seltsame Angriffe der Wolfs-Gestaltwandler in der Burg festgehalten: Bis in den tiefen Abend griffen die Wölfe mit voller Härte und Leidenschaft an, sodass Fenja und ich uns unseres Lebens erwehren mussten – naja sozusagen: Fenja hat sich bei dem Angriff unter dem großen Holztisch im Burghof versteckt. Aber sie hat mir das versprechen abgenötigt den anderen Greifen bloß nichts davon zu erzählen, das wäre ihr peinlich.

Fotos von Hannah Gritsch


Nebel und Schatten im Pontartal

Nebel und Schatten im Pontartal

26.11.-28.11.21

Aus dem Tagebuch des Atheris von Toussaint, Pontartal 21.-22. Saovine 1281 (Winter)

Drei Tage sind vergangen, seitdem Großmeister Valerian und ich vom Winterlager der Greifenhexer – im Niemandsland zwischen Lan Exeter und Aedd Gynvael – aufgebrochen sind um einen „kurzen“ Abstecher ins Pontartal zu machen.

Zu meinem Leidwesen hat Valerian mal wieder auf den Einsatz unserer Reittiere verzichtet und stattdessen lieber auf ein von Meisterin Nella erschaffenes Portal gesetzt, welches uns zumindest in die Nähe unseres Ziels bringen sollte – dennoch sind wir nun seit Tagen in dieser unwirtlichen Gegend unterwegs auf der Suche nach einem Vatt‘ghern Namens Angrist, seines Zeichens Experte auf dem Fachgebiet der Herstellung von Tränken. Zumindest haben wir gestern Hinweise erhalten, dass ein Hexer erst vor kurzem durch diese Gegend gezogen ist. Wir werden die Nacht weiterziehen und versuchen aufzuschließen.

Das Glück ist uns hold! Wir haben tatsächlich Meister Angrist kurz nach Einbruch der Nacht mitten im Schneegestöber am Wegesrand angetroffen. Gemeinsam mit ihm und einem temerischen Söldner haben wir uns weiter auf den Weg zu einem Gasthof gemacht, der laut Angrist ganz in der Nähe sein soll.

Gestört wurden wir auf unserem Weg von zwei Gruppen Fistech süchtiger Halsabschneider, die uns im Unterholz auflauerten. Ein erster Versuch der Räuber unser Habe habhaft zu werden endete im Blutvergießen … auf Seiten der Missetäter, versteht sich. Bei einem weiteren Überfall der Verbrecher entschied sich Valerian für die Auszahlung der Verbrecher – womit ich absolut nicht einverstanden war. Im Kaiserreich hätte man mit ihnen kurzen Prozess gemacht und ein Exempel statuiert – nun gut, zumindest haben wir unser Nachtquartier danach ohne weitere Zwischenfälle erreicht.

Wenn mir das jemand vorher erzählt hätte, was mich in der Taverne erwarten würde…ach ich lass es lieber! Neben einem redanischen Begrüßungskommando, einer illustren temerischen Reisegesellschaft und einigen anderen Gestalten, fanden wir einen uns unbekannten verletzten Greifenhexer vor. Die Tatsache, dass er sich als Meister vorstellte, wurde von Großmeister Valerian zugleich in Frage gestellt, da nur er als einziger Überlebender Meister der alten Greifenschule die Meisterschaft erteilen kann.

Trotz meiner kaiserlichen Rüstung und der darauf unverkennbar abgebildeten goldenen Sonne, schenken mir die Nordlinge nur wenig Beachtung – lediglich ein redanischer Soldat fragte beim Betreten der Taverne, ob mir die Rüstung der Schwarzen verliehen wurde oder ob ich sie „erworben“ habe … bevor ich ihm wahrheitsgemäß antworten konnte, tat Valerian die Frage mit „ein Souvenir“ ab – keine Unwahrheit und da der Soldat mit der Antwort offensichtlich zufrieden war, habe ich es auch dabei belassen. Zudem stimmten die Redanier vorhin eine Ballade über die Schlacht bei Brenna an, die sie besonders laut in meine Richtung trällerten – aber abgesehen von der durch die Propaganda der nördlichen Königreiche verdrehten Wahrheit über den Hergang der Schlacht, stören mich derart Lieder nur wenig. Nur einmal drohte die Stimmung kurz zu eskalieren und zwar als der Hauptmann in einem Anfall von Prahlerei die redanische schwere Reiterei als die Beste der Welt darstellte – die Tatsache, dass man gerüstete Reiter auf Ackergäulen als Kavallerie bezeichnet ist ja an sich schon ein Affront! Zumindest schien der Mann Ahnung von Pferden zu haben und die gereizte Stimmung ebbte in einer Diskussion über edle Rösser (die sie im Norden allerdings nicht haben) ab.

Ich habe vorhin zu meiner Freude festgestellt, dass zu der temerischen Reisegesellschaft auch die Magierin Cecilia DeFiné mit ihrer Leibgarde gehört. Sie ist uns Greifen keine Unbekannte und viel Wichtiger – sie hat hervorragenden Wein dabei – könnte also widererwartend ein geselliger Abend werden.

Es war in der Tat ein langer und geselliger Abend – zum Glück macht uns Vatt’ghern ein wenig Alkohol im Blut nichts aus! Auch die meisten anderen Drogen zeigen bei unserem Metabolismus nur bedingt Wirkung, ganz im Gegenteil zu dem örtlichen Holzfäller, der hier seit Sonnenaufgang bei der Taverne auf- und abrennt und verzweifelt versucht eine Eskorte zu finden. Er stammelt etwas davon, dass ihn die Büsche angreifen – er aber Geld für seine Familie verdienen muss!

Ich hätte darauf wetten können, dass Großmeister Valerian dem armen Mann bei seinem Problem mit den Büschen helfen würde – dass aber tatsächlich mehr an der Sache dran war als nur die Halluzination eines Fistech-Süchtigen hätte ich nicht erwartet.

Nein, es waren keine Leshen gewesen – dafür waren sie nicht mächtig genug gewesen – dennoch war es aufgrund ihrer schieren Anzahl kein ungefährliches Unterfangen gewesen, gegen diese Kreaturen anzugehen – zumal der Ursprung und ihre Intention nicht in Erfahrung zu bringen ist.

Zu unserem Leidwesen müssen wir den Tod des Holzfällers betrauen, denn obwohl ich mich noch zwischen einen der lebenden Büsche und den Holzfäller warf, konnte ich den tödlichen Hieb nicht abfangen – man muss dazu aber auch sagen, dass er einfach nicht in Sicherheit bleiben wollte beziehungsweise – aufgrund seines Drogenkonsums – konnte! Als Valerian gerade dabei war einen möglichen Fluch, der auf dem armen Mann gelegen haben mochte, zu brechen – kamen die Nordlinge aus dem Gasthof zu uns in den Wald. Die Kreaturen nutzten den Moment der Ablenkung und fraßen die Leiche mit Haut und Haaren – wahrlich kein schöner Anblick! Immerhin hatte der Ausflug etwas Gutes, die Jägerin Fenja begleitete uns in den Wald und hat sich als angenehme und nützliche Verbündete erwiesen.

Es Dämmert langsam – vieles was in den letzten Stunden um den Gasthof herum vorgefallen ist, bekomme ich nicht zusammen. Es ist die Rede von einem geheimen Labor, indem schändliche Experimente an der örtlichen Bevölkerung vorgenommen werden.

Bis auf einen Fetzten Pergament, den wir im Wald gefunden haben, ergab die Suche von Großmeister Valerian, Fenja und mir keine wesentliche Erkenntnis über Ort, Zweck oder Personen, die hinter all dem hier stecken.

Die Ereignisse haben sich mit Einbruch der Dunkelheit überschlagen! Magierin Cecilia ist verschwunden! Dem Hörensagen nach hat sie versucht vor dem redanischen Hexenjäger zu fliehen, der sich hier im Gasthof aufgehalten hatte und angeblich Wind davon bekommen hat, dass sie eine Magierin ist! Der Hexenjäger ist noch hier … Sie nicht … das riecht nach Ärger! Wir werden uns der Suchexpedition die gerade zusammengestellt wird anschließen!

Das war mehr als knapp! Der Leibwächter von Cecilia kam aufgelöst aus dem Wald gestürmt und informierte uns, dass die Magierin von einer Gruppe Männern entführt wurde. Der junge Mann wartete allerdings nicht, bis sich die Expedition sammeln konnte, sondern machte sich gleich mit gezogener Waffe auf den Weg zurück in den Wald!

Ich muss sagen, dass das Hexertraining sich mehr als ausgezahlt hat, denn die Spur der Entführer beziehungsweise das Licht ihrer Fackeln führte uns einen steilen und sehr … sehr … sehr langen Hang hinauf und im Gegensatz zur Schlacht bei Sodden und dem Berg der Magier, fehlte mir mein treues Streitross doch merklich. Der lange Anstieg riss unsere Gruppe vollends auseinander und nach einem gefühlten ewigen Anstieg erreichten Fenja und ich als erste das gegnerische Lager und die Männer, die uns mit gezogener Waffe erwarteten. Nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung stürmte ich auf die Männer zu und Dank Fenja’s Warnungen gelang es mir die Feinde zu binden bis Valerian und die anderen sich ebenfalls in Kampfgetümmel stürzten konnten. Keinen Augenblick zu früh erlangten wir die Oberhand und es gelang uns den verrückten Alchemisten – der sich zugleich als der Tavernen Wirt entpuppte – daran zu hindern, Cecile ein letztes Elixier zu verabreichen.

Wie es sich nach dem Verhör des Wirt‘s herausgestellt hat, war es tatsächlich sein erklärtes Ziel durch die Elixiere die Mutation der Hexer zu reproduzieren. Weil seine bisherigen Versuche an der normalen Bevölkerung allesamt schiefgelaufen waren, hatte er der Versuchung nicht widerstehen können, sich an der Magierin zu vergreifen – in der Hoffnung – dass ihre ‚Andersartigkeit‘ und damit verbundene mögliche höhere Widerstandskraft bei der ‚Kräuterprobe‘ helfen würde. Zum Glück mussten wir nicht erfahren, ob er mit dieser Annahme Recht gehabt hätte.

Ein letztes Fazit zu dieser Expedition:

Nach einem längeren Gespräch mit Angrist, konnte ich seine zunächst ablehnende Haltung gegenüber unserem Vorhaben zumindest revidieren und zumindest die Möglichkeit aufrechterhalten, dass wir auf seine Unterstützung in Zukunft hoffen dürfen.

Mit der Jägerin Fenja haben wir eine neue Verbündete gefunden, die sich uns zumindest temporär anschließen möchte.

Reisen ohne Pferd kann man machen – ist aber „stronthe“

Was es mit meinem alten Tagebuch im Besitzt von Angrist auf sich hat, werde ich in einem separaten Eintrag festhalten!

Fotos von Calle Plantiko


Nimmermeer - Im Schatten der Dreifaltigkeit

Nimmermeer - Im Schatten der Dreifaltigkeit

31.08.-02.09.18

Valerian geriet durch einen Portalfehler mal wieder auf Abwege und fand sich bei einer Reisegesellschaft wieder, die eine von Zwergen besetzte Burg infiltrieren wollten. Da dies seine beste Chance auf einen Handel mit einem Magier war, der ihn wegteleportieren konnten, machte Valerian bei der Scharade mit. Er erhielt einen falschen Zwergenbart zum umhängen und mogelte sich mit den anderen in die Burg. Die Scharade wurde dann natürlich durchschaut und wildes Hauen und Stechen begann.
Im Rahmen von zwei Tagen ging es darum, eine Entität namens „Hass“ zu besiegen – wenngleich Valerian sich mehr um die kleinen Nöte und Sorgen von Volk und Reisenden kümmerte. Hier lernte er viele aufrechte Onnurther Glaubenskrieger kennen, und es sollte nicht das letzte mal sein, dass sie gemeinsam zu den Waffen griffen.


Funkenflug 15

Funkenflug 15

7.-10.10.21

Auszug aus dem Brief von Valerian an Nella

“… und so kam es, dass der kommerzielle, rabattierte Teleport, den ich in Hengfors buchte, mich in das Land ‘Harnac’ schickte – zur Erinnerung: Das Land in dem ich vor nunmehr fünf Jahren Atheris kennenlernte.
Es dauerte nicht lange, bis ich in der Wildnis auf eine Reisegesellschaft bunten Volkes traf, dass zum Dorf Hirschhausen unterwegs war, wo ein großes Fest zur Einweihung von mehreren Tempelschreinen für deren gute und neutrale Gottheiten stattfinden sollte. Der lokale Baron veranlasste dies als Politikum, um die kriegsgebeutelte Bevölkerung für sich zu gewinnen.

Kurz vor dem Dorf wurden wir von humanoiden Mutanten angegriffen, die die Reisenden unpräziserweise als ‘Ghule’ bezeichneten. Was für ein Schwachsinn. Sie waren auch überzeugt, die Ghule seien Untote…
Einerlei: Statt einem rauschenden Dorffest fanden wir eine verlassene Dorfruine vor. Die Schreine waren teilweise nichtmal errichtet oder geweiht worden.
Gut, dass mich dieser politische und kirchliche Unsinn nicht wirklich tangiert. Noch besser war aber, dass ich den Barden Kenor traf, der schon einmal Kaer Iwhaell besuchte, sowie die Onnurther Glaubenskrieger Fenja, Arn und Gerlache, die ich schon von anderen Reisen kannte. Ich bekam das Gastrecht ausgesprochen und fand prompt die Onnurther Magierin Sorana, die mir anbot, mir in wenigen Tagen ein Portal in die Heimat zu öffnen. Ich gelobte für diese Zeit die Onnurther Lagergesellschaft zu beschützen.

Während sich der große Abenteurerzirkus um diesen oder jenen Schrein für diesen oder jenen Gott subjektiver Gutheit oder Schlechtheit mit bösen Kultisten und anderen Problemen schlug, traf ich auf ein Gerücht, das meine Aufmerksamkeit erregte: Der Ghulkönig.

Dieses Individiuum sollte meinen Recherchen nach für die Mutationen der Menschen verantwortlich sein. Nach den Ereignissen im Kestrelgebirge, in denen wir die Machenschaften eines wahnsinnigen Forschers im Gebiet der Transhumanen Mutation unterbunden hatten, schwor ich Gabhan mich für die Bürde, die er damals im Labor auf sein Herz legte, mich mit der gleichen Tat zu revanchieren, sollte der Tag kommen.

Während sich alle also wie die kopflosen Hühner um irgendwelche Schreine kümmerten, schrieb ich heimlich einen Brief an den Ghulkönig in Person. Ich bot akademischen Austausch aus ‘Profi’ in Sachen Transhumaner Mutation an. Ich wollte sein Wissen in Gewahrsam bringen, sein Treiben beenden und seine schlimmsten Produkte vernichten.
Während ich einen Tag auf die Einladung warten musste, erhielt ich nachts eine Vision: Ich sah den Forschungsleiter, wie er zwei nackte, weibliche Subjekte begutachtete, die aus einer schleimigen Brutgrube gehoben wurden. Sie wurden inspiziert und für tauglich befunden (ich erwähne dir gegenüber meine Liebe, dass ich natürlich keine andere Wahl hatte, als in der Vision meinen Blick auf Ihre Nacktheit zu richten). Die beiden Subjekte wurden dann angewiesen meinen Leib zu verzehren.
Andere Reisende hatten ähnliche Visionen. Eine besonders dramatische war ein schwangeres Subjekt: Sie wurde der Brutgrube enthoben und das Kinde wurde gewaltsam den Leib entrissen. Das Neugeborene erhielt keinen Namen und kein Begräbnis, es wurde förmlich fortgeschmissen. Diese Tatsache, und die Anwesenheit von starker Magie in dem Labor führten zu meiner These, dass dieses Kind zu einem verfluchten Fehlgeborenen werden könnte.

Bis ich diese These bestätigen oder dementieren könnte, erhielt ich Besuch: Nach einem ausgedehnten Waldspaziergang zur Kräutersuche und zum Spurenlesen wurde ich von zwei Inkognito-Mutanten zum Gespräch mit dem Ghulkönig geladen. Just fand ich mich im Labor aus meiner Vision wieder. Der Forschungsleiter gab sich als Dr. Rax zu erkennen. Er suggerierte mir zwar der Ghulkönig zu sein, dies stellte sich aber als unwahr heraus. Ich schaffte es, ohne zu Lügen, seinen Fragen nach unserer Kräuterprobe und unseren derzeitigen Forschungsarbeiten im Detail auszuweichen; Auf der anderen Seite war es mir hingegen möglich seine Identität zu ermitteln.
Nachdem ich zurückteleportiert wurde weihte ich wenige Vertraute aus dem Lager ein, die die Ergreifung des Athron-Priesters, des Gott des Wissens, organisierten – unter der Bedingung, dass ich alle Forschungsnotizen aus seinem Labor erhalten möge. Er wurde folglich ergriffen und alle meine Thesen wurden bestätigt, bis auf die wahre Identität des Ghulkönigs. Der Portalschlüssel den er bei sich trug, konnte, so ergab es die Analyse der Magier, nur von einer Person genutzt werden. Ich erhielt als Einziger das Privileg, das Labor zu stürmen. Mehr Angst hatte ich aber ehrlichgesagt vor dem einweisenden Magier, als vor dem Labor, da er auf meine Rückfragen hin zugab, sich bisher noch nie praktisch mit der Teleportation beschäftigt zu haben. Einer der Abenteurer, der mich eigentlich begleiten wollte, legte mir noch ein persönliches Amulett um, um mir alles gute für meine Mission zu wünschen.

Ich schaffte es zum Wohle meiner Gliedmaßen das Labor in einem Stück zu betreten. Es war derselbe Raum, wie schon zu meiner Audienz. Während ich also die Unterlagen zusammenklaubte, hörte ich plötzlich ein feines Plätschern. Ein Seufzen. Ein Grunzen. Ich schlich zum Tisch, auf dem ich mein Silberschwert Komatetsu abgelegt hatte, und verschob die Knarzenden Platten: Darunter lag ein Brutbecken voller Schleim, und darin eine weiter Mutantin – eine Frau von rund zwanzig Jahren. Ihr aktiver werdendes Gebaren verriet ihren Hunger nach Menschenfleisch, und so fasste ich das Schwert in meinem Herzen mit festem Griff – und erfüllte mein Versprechen gegenüber Gabhan. Ich tötete Sie mit einem Stich ins Herz. So sehr mich der Moment auch ergriff, versuchte ich danach dem Raum, der sich in einer arkanen Globule befand, zu entkommen – aber ich fand keinen Ausweg. Es sollte sich rausstellen, dass der Portalstein zurück noch im Besitz von Dr. Rax war. Während ich also alle Schriften wälzte, alle Wände, Möbel und Schränke durchsuchte, ja sogar versuchte Mei’s Zauberamulett zu aktivieren um mit ihr zu sprechen, wuchs stetig in mir die Erkenntnis, dass ich den Raum nicht verlassen konnte.
Es knallte: Und vor mir standen fünf Abenteurer aus dem Lager, unter anderem der Besitzer des Amuletts, das er mir gab. Sie nutzten das Amulett als Anker, um einen Weg in die arkane Globule zu finden. So begab es sich, dass mich diese Truppe aus der Globule befreite.

Es war perfekt: Der irre Forscher war in Gewahrsam, ich hatte alle Schriften bei mir, und das Labor wurde fortan versiegelt. Ich wähnte mich schon in Sicherheit, und bereitete mich im Alchemielabor auf einen Konflikt mit einem verfluchten Fehlgeborenen zur Sicherheit vor – als Scharmützel im Lager ausbrachen. Die Mutanten griffen an, und sie eroberten Dr. Rax zurück.
D.h. liebe Nella – uns klebt ab jetzt ein rachsüchtiger Zauberer und mächtiger Athronkleriker am Arsch. Ich muss nicht erwähnen, dass ich sehr unglücklich mit dieser Situation war, aber sie ließ sich nicht ändern.
Während ich also vollgerüstet und mit Verfluchtenöl vorbereitet das Lager patroullierte, hörte ich just Geschrei – das Geschrei eines Kleinkindes. Eine Priesterin aus der Abenteurergesellschaft hielt es im Arm, und sie wirkte überfordert. Das kleine Kind war von dunkler Haut, und weißen, bösen Äuglein. Ich näherte mich dem Kind, nahm von einem Heiler eine Bandage und drückte es zur Sicherheit auf den kleinen Mund, damit es mich bei der Untersuchung nicht beißen möge – doch schlug mein Amulett nicht an. Es war nicht verflucht – es war vollständig mutiert.

Von dieser Angelegenheit persönlich schwer getroffen, fing ich an zu trinken. Ich patroullierte das Lager und schlachtete angreifende Kultisten des ‘bösen’ Gottes so und so ab. Ich metzelte Sie nieder. Einen nach dem anderen. Ich nahm alle vorbereiteten Stärkungstränke zu mir, brachte mich in Fahrt, ja ich zerfetzte einige von Ihnen sogar mit einer Wurfbombe.
Einige Zeit später kehrte ich zu der Priesterin Leonie zurück: Sie stand in einem Kreis aus Abenteurern die hitzig diskutierten, wie Sie mit dem “Monsterkind” umgehen sollten. Ich trat in den Kreis und beanspruchte das Kind für mich. Doch Priesterin Leonie gab es nicht heraus.
Ich bat sie zum Vieraugengespräch. In diesem versicherte Sie mir als Hohepriesterin und Adelige, dass sie persönlich sich um das Kind kümmern werde und ihm alle Liebe angedeihen lassen will, zu der sie fähig ist – was bei einer Dienerin einer Liebesgöttin verheißungsvoll klingt. Ich willigte ein unter der Bedingung, dass ich das Kind ‘Kessia’ besuchen dürfe, und Leonie sie zu mir bringen möge, sowie das Kind seine Bestimmung und seinen Platz in der Welt suchen würde.

Im Idealfall, wird dieser Brief dich lange nach mir erreichen, wenn der Teleport von Sorana morgen funktioniert. Wenn er dich nicht bis zur Wintersonnenwende erreicht möchte ich, dass du dich meiner Liebe erinnerst und Mei mein Testament nutzt.
Und gib Gabhan dem armen Bären ein paar Kronen für seine kaputten Hexerschwerter, das kann ich als Freund ja nicht mit ansehen.


Greifengewanderung 4

Greifengewanderung 4

Per viam Redaniae – durch das wilde Redanien
Aus dem Tagebuch des Atheris von Toussaint, Kestrel Gebirge Sommer 1281

Wenn mir jemand vor einigen Jahren erzählt hätte, dass ich mich mit einer Hexerschule und einigen ihrer Freunde durch die Wildnis Redaniens, genauer gesagt durch das Kestrel Gebirge schlage, hätte ich ihn mit einem Lächeln im Gesicht für einen Wahnsinnigen gehalten – und dennoch hätte er Recht behalten. 

Eine Woche ist es her, dass wir auf das geheime Versteck des gesuchten Magiers Asken Hilvering gestoßen und seine „abnormalen“ Experimente entdeckt hatten. Den wenigen Hinweisen, die wir in seinem Labor vorgefunden haben, führten uns weiter in den Norden, denn es ist uns ein persönliches Bedürfnis den Rest seiner „Bruderschaft“ aufzuspüren und ihren „Experimenten“ ein Ende zu setzten.

Zu meiner Überraschung gesellten sich auf unserer Wanderung neben alten Bekannten und Freunden der Greifen auch neue Gesichter hinzu, die sich unserer Jagd nach den Magiern für den Moment anschlossen. 

Durch die Neuankömmlinge gab es viel zu erzählen und aus der vorher düsteren Stimmung wurde ein fast schon geselliges Austauschen von Neuigkeiten – zumindest für kurze Zeit, denn nur wenig später entdeckten unsere Fährtenleser Spuren neben dem Waldweg und wie sich schnell herausstellte trieb hier ein Ungeheuer sein Unwesen…und es hatte gemordet! Menschliche Knochenfragmente, Blut und nach nassen Hund stinkende Fellreste konnten gefunden werden. Die erste Vermutung war, dass es sich hierbei um einen Werwolf oder etwas zumindest Ähnliches handeln musste.

Die Fährte des Wolfes führte uns über schmale Waldpfade quer durch einen Wald und wir fanden weitere menschliche Überreste…der Größe nach zu urteilen, die eines Kindes. Das Ganze erinnerte mich stark an ein altes Kindermärchen, nur die rote Kappe gab es nicht. Auch führte uns die Spur nicht zu einer alten, einsamen Hütte im Wald, sondern an den Waldrand. Hier wurden unsere Spurenleser erneut fündig. Neben weiteren Blutspuren…diesmal wohl vom Werwolf selbst stammten, fanden sie auch eine gesprengte alte Kette, die lose an einem Baum hing. Vermutlich hatte sich das Wesen hier in der letzten Nacht vor der Verwandlung selber angekettet – zum Leidwesen seiner Opfer allerdings nicht erfolgreich. Das Wesen musste sich hier zurückverwandelt haben, denn nackte menschliche Füße führten aus dem Wald auf einen mit Steinen befestigten Feldweg, wo sich die Fährte leider verlor. Großmeister Valerian entschied sich daraufhin zu unserem geplanten Nachtlager weiterzuziehen. Dieses sollte in einer nahegelegenen Burgruine aufgeschlagen werden.

In der Ruine kam es dann zu einem unerwarteten Wiedersehen. Einer der ehemaligen Schüler Valerians, die er noch zu Zeiten der „alten“ Greifenschule ausgebildet hatte, lag von dem Werwolf verwundet im Schatten an eine Mauer gelehnt. Die notdürftig verbundene Wunde am Bein von Havik – so stellte Valerian uns den Neuankömmling vor – wurde von Malva professionell versorgt. Schade das Logan nicht mit auf der Expedition war, denn es hätte ihn sicherlich gefreut zu erfahren, dass er durch Havik als dienstältesten Hexer-Lehrling abgelöst worden war. Mir ist klar, dass Havik ohne Meister in den letzten acht Dekaden natürlich nicht weiter ausgebildet werden konnte – aber das ist für diese Statistik nicht relevant.

Die Mittagssonne brannte gnadenlos auf unsere Köpfe nieder, als wir uns endlich im kühlenden Schatten der Bäume und Mauerreste niederließen. Mit Brot, Käse und Wurst…aber leider ohne eine von Jiris legendären Hirschkeulen stärkten wir uns. Meine liebe Grazyna hatte zu meiner freudigen Überraschung noch eine Flasche besten Est-Est dabei, den ich gleich mal Jiri zum Probieren weiterreichte. Selbst der ansonsten Alkohol meidende Gabhan gönnte sich einen Schluck des roten Weines, was seine Stimmung leider nur wenig aufhellte. 

Verwundert war ich allerdings, als Gabhan mit der geladenen Armbrust auf Valerian zuschritt und dabei auf den Hexer-Lehrling Egon zielte. Mit einem schnellen „Aard“ brachte Großmeister Valerian den Hexer zu Fall und nur einen Wimpernschlag später war er bereits über ihm. Gabhan schien es nicht ernst gemeint zu haben, denn wie ich ihn kannte, hätte er sich niemals wehrlos von Valerian niederstrecken lassen…ich denke er hatte einfach nur eine verdammt schlechte Woche und es war ihm nicht zu verdenken gewesen, denn seit er, im Kerker des Magiers, die missratenen Experimente, ob lebend oder tot, auf Valerians Geheiß entsorgen sollte, war seine eh schon schlechte Grundstimmung endgültig ins Bodenlose gesunken.

Zumindest konnten Valerian und Ghaban ihre Streitigkeiten schnell beilegen und Großmeister Valerian bat Egon und mich zum Schwertkampftraining. Nach einigen Aufwärmübungen, einigen neuen Angriffsstrategien und einem Sparringskampf zwischen Egon und mir, kam es noch zu einem weiteren Ringkampf zwischen Gabhan und unserem neuen Fährtenleser dem Skelliger Nechtan.

Alles im allen war es zwar kein sonderlich ereignisreicher Tag, aber das Wiedersehen mit den Freunden und die zu erzählenden Geschichten, ließen den Tag kurzweilig ausklingen.


Greifengewanderung 3

Alte und neue Weggefährten

Als der Tag sich dem Ende neigte, und die Greifen nach einer langen Wanderung mit ihrem wohlverdienten Bier im heißen Zuber saßen, wirkten die Ereignisse des Tages – rückblickend betrachtet – irgendwie schlüssig. Heskor erzählte gerade ausführlich, welche Wirkung er sich von dem kontrollierten Konsum der verschiedenen Pilzsorten erhoffte, und zu welchen Erkenntnissen er schon gelangt war. Die Lehrlinge waren mit ihrer heutigen Arbeit fertig geworden, aber aufgrund des unsäglichen Fischgestanks, der an ihnen haftete, hatten sie Zuberverbot bekommen. Während die Dämmerung hereinbrach entzündete Nella geschickt und beinahe mühelos die Kerzen, und lehnte sich dann entspannt zurück ins warme Wasser.
Atheris, der scheinbar ihre nachdenkliche Miene erkannte, sagte mit einem Schmunzeln: „Vielleicht waren auch die Leute, die wir heute gefunden haben, die magische Entdeckung auf die du gehofft hast?“ und blickte dabei erst zu Raaga, der gerade seinen Humpen leerte, und dann durch die offene Tür des Zuberzimmers in den Wohnraum der Fischerei, wo Malva im schummrigen Licht einer einzelnen Kerze in einem Manuskript laß.
Nella nickte nur. Zu einer Antwort kam sie nicht, denn Valerian erhob das Wort, und seinen Krug, und rief „Auf den heimgekehrten Sohn! Raaga, es ist schön, dass du wieder da bist. Wir werden viel Zeit haben, uns über alles auszutauschen, was während deiner Reisen passiert ist…“ Kelche stießen zusammen, und deren Inhalt schwappte leicht ins Badewasser. „ Und auf Malva, die uns vielleicht bei unseren ungelösten Problemen helfen kann. Fast wie ein Wink des Schicksals, dass sie gerade jetzt unseren Weg kreuzt.“ Setzt Valerian leise hinzu. Er schaut auf, in die Ecke in der die Heilerin sitzt und sie erwidert seinen Blick. Sie hat es gehört. Natürlich. Ihr Mundwinkel hebt sich zu einem leisen Lächeln. War es wirklich klug ihr so schnell zu vertrauen?

OT: Am vergangenen Wochenende waren wir Greifen auf einer kleinen aber feinen GeWanderung („Beste Con des Jahres!“).
Mit nur 6 Leuten wars ’ne kleine Runde, aber dafür hatten wir umso mehr Spiel untereinander, mit einigen Geheimnissen, die aufgedeckt, Bündnissen, die geschlossen und Ereignissen, die diskutiert wurden.
Gleichzeitig war die Wanderung das Greifen-Debüt von Helenas neuem Charakter Malva, der direkt für ein wenig Aufsehen gesorgt hat. zusätzlich kam Raaga endlich von seinem Ausflug nach Skellige wieder, und Nella hat irgendwelche magischen Schwingungen im Wald wahrgenommen…


Drachenhainer Grenzgeschichten

Drachenhainer Grenzgeschichten

Valerian teilt die Überlebendengruppe auf zur Suche nach einer neuen Heimat. Dabei treffen er und sein Geselle Sebastian auf Sebastians Halbschwester Vika. Sebastian findet einen Weg, ein kleines magisches Problem in den Griff zu bekommen und schlägt den Weg des Schamanen ein.


Funkenflug 10

Funkenflug 10

Auf dem Weg zum gemeinsamen Treffpunkt trifft Valerian auf einige Reisende aus der Leuenmark, mit denen er sich schnell anfreundet. Mit Ihnen unterwegs ist Atheris, ein ehemaliger Schlangenhexer. Was beide noch nicht ahnen: Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


Solonia 15

Solonia 15

1008 nach Fall des dunklen Reichs, September, Die Gruppe trifft sich wieder um gemeinsam ein gefährliches Wesen, den Alptraumweber zu jagen, dabei geraten Sie mitten in eine Königswahl. Gewählt wurde Gernot, König der zwölf Auen. Für die Verdienste der Gruppe wurde Valerian die Burg Treuhall als Reichslehen verliehen, das Akademierecht zugesprochen und die Schule umbenannt zu Kaer Iwhaell.